Campo San Polo – Baccalà und ein Schiffbruch
Why is it significant?
Plötzlich wird es weit: Campo San Polo gehört zu den größten Plätzen Venedigs, gesäumt von Palästen, deren Fassaden einer sanften Rundung folgen. Hier fanden einst Stierhatzen, Feste und Märkte statt, und heute spielen Kinder Fußball, wo früher Patrizier flanierten.
Key Facts
| Place | Campo San Polo – Baccalà und ein Schiffbruch |
|---|---|
| Address | Campo San Polo, San Polo, 30125 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.43770, 12.32970 |
| Part of Walk | Venedig für Genießer: Rialto-Märkte, Bacari und Cicchetti |
| Generated | Generated |
Plötzlich wird es weit: Campo San Polo gehört zu den größten Plätzen Venedigs, gesäumt von Palästen, deren Fassaden einer sanften Rundung folgen. Hier fanden einst Stierhatzen, Feste und Märkte statt, und heute spielen Kinder Fußball, wo früher Patrizier flanierten. Am Fuß des frei stehenden Glockenturms wachen zwei steinerne Löwen, einer mit einer Schlange, der andere mit einem Menschenkopf zwischen den Pranken; die Legende sagt, es sei der Kopf des hingerichteten Dogen Marino Faliero. Ein Platz wie ein Wohnzimmer für das ganze Viertel, und der richtige Ort für das berühmteste Gericht der Stadt.
Denn dieses Gericht beginnt mit Eis und Hunger. 1431 lief der venezianische Kaufmann Pietro Querini mit einer Ladung Wein und Gewürzen von Kreta Richtung Flandern aus. Stürme trieben sein Schiff weit nach Norden, es ging verloren, und nach Wochen im Beiboot erreichten die wenigen Überlebenden im Januar 1432 eine winzige Insel bei Røst, ganz im Süden der Lofoten.
Die Fischer dort nahmen sie auf und zeigten ihnen, wie man Kabeljau im Wind trocknet, bis er hart wie Holz ist und jahrelang hält: Stockfisch. Querini brachte die Kenntnis davon mit zurück nach Venedig, so erzählt man es jedenfalls gern. Und weil die Venezianer diesen Stockfisch bis heute baccalà nennen, obwohl er eigentlich stoccafisso ist, stolpert jeder Besucher, der gesalzenen Kabeljau erwartet.
Baccalà mantecato ist das Ergebnis langer Arbeit. Der Stockfisch wird tagelang gewässert, gekocht, von Haut und Gräten befreit und dann mit Olivenöl geschlagen, nach und nach, wie eine Mayonnaise, bis eine helle, luftige Creme entsteht, oft mit etwas Knoblauch und Petersilie. Auf einem Stück Brot oder einer Scheibe gegrillter Polenta ist das der Klassiker jeder venezianischen Theke. Mantecare heißt so viel wie cremig rühren.
Der Platz hat auch eine dunkle Seite. Im Jahr 1548 wurde hier Lorenzino de' Medici ermordet, der in Florenz seinen Vetter, Herzog Alessandro, umgebracht hatte und nach Venedig geflohen war. Die Rache der Medici fand ihn trotzdem. Verlass den Campo jetzt an seiner Südwestseite und folge den Gassen Richtung Rio Terà dei Nomboli, zum Geburtshaus von Carlo Goldoni.