Campo San Cassiano – Leber, Oper und Rotlicht

Why is it significant?

Campo San Cassiano ist kein Postkartenplatz: eine Kirche mit schlichter Fassade, ein Kanal an der Seite, eine Brücke. Innen hängt eine große Kreuzigung von Tintoretto. Doch hinter der Unscheinbarkeit verbirgt sich mehr.

Key Facts

PlaceCampo San Cassiano – Leber, Oper und Rotlicht
AddressCampo San Cassiano, San Polo, 30125 Venezia VE, Italy
Geo Coordinates45.43970, 12.33210
Part of WalkVenedig für Genießer: Rialto-Märkte, Bacari und Cicchetti
GeneratedGenerated

Open the walk

Campo San Cassiano ist kein Postkartenplatz: eine Kirche mit schlichter Fassade, ein Kanal an der Seite, eine Brücke. Innen hängt eine große Kreuzigung von Tintoretto. Doch hinter der Unscheinbarkeit verbirgt sich mehr. In dieser Gegend öffnete 1637 das Teatro San Cassiano, das erste öffentliche Opernhaus der Welt, in das jeder gegen Eintritt hineindurfte. Und ein paar Schritte weiter schlug das Herz des Fleischhandels.

Am Campo de le Becarie, zwischen hier und dem Fischmarkt, standen die beccherie, die Fleischhallen der Stadt. Der Name ist geblieben, auch wenn die Metzger längst verschwunden sind; im 19. Jahrhundert wanderte das Schlachten an den Stadtrand, in einen neuen Schlachthof in Cannaregio. Gutes Rindfleisch war für die meisten Venezianer ein seltenes Festessen. Innereien dagegen waren billig, und aus ihnen machte die Stadt eine Kunst.

Das beste Beispiel: fegato alla veneziana, Kalbsleber nach venezianischer Art. Die Leber wird in hauchdünne Streifen geschnitten und nur ganz kurz mit einem Berg langsam geschmorter Zwiebeln geschwenkt, dazu weiße Polenta. Das Wort fegato stammt übrigens vom lateinischen ficatum, der mit Feigen gemästeten Leber der Römer. Die Venezianer, so erzählt man, ersetzten die teuren Feigen einfach durch süße Zwiebeln.

Auch die Kehrseite des Rialto lag gleich um die Ecke. Hinter San Cassiano beginnen die Carampane, das alte Viertel der Prostituierten, das die Republik hier bündeln wollte. Ganz in der Nähe führt der Ponte de le Tette über den Kanal, die Brücke der Brüste. Der Legende nach mussten sich die Frauen dort mit entblößtem Oberkörper zeigen, um Kunden anzulocken. Am Rialto wurde jede Art von Hunger bedient.

Dass ausgerechnet hier die öffentliche Oper erfunden wurde, ist kein Zufall. Wo Kaufleute, Seeleute und Fremde aus aller Welt Geld ausgaben, gab es ein zahlendes Publikum, und Unterhaltung wurde ein Geschäft wie Pfeffer oder Wein. Geh jetzt nach Osten, zurück Richtung Markt, bis du kurz vor der Ruga Vecchia San Giovanni in die schmale Calle dei Do Mori einbiegst.

Nearby stories