Campo San Giacomo dell'Orio – Sarde in saor
Why is it significant?
Hier ist Venedig ganz bei sich: Campo San Giacomo dell'Orio, ein großer Platz mit Bäumen, Kinder mit Bällen, Großmütter auf den Bänken, und mittendrin eine Kirche, so verwinkelt gewachsen, dass sie keine richtige Hauptfassade hat.
Key Facts
| Place | Campo San Giacomo dell'Orio – Sarde in saor |
|---|---|
| Address | Campo San Giacomo dell'Orio, Santa Croce, 30135 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.44010, 12.32740 |
| Part of Walk | Venedig für Genießer: Rialto-Märkte, Bacari und Cicchetti |
| Generated | Generated |
Hier ist Venedig ganz bei sich: Campo San Giacomo dell'Orio, ein großer Platz mit Bäumen, Kinder mit Bällen, Großmütter auf den Bänken, und mittendrin eine Kirche, so verwinkelt gewachsen, dass sie keine richtige Hauptfassade hat. Innen trägt ein hölzernes Dach in Form eines umgedrehten Schiffsrumpfs den Raum. Gezimmert, so sagt man, von Leuten, die sonst Schiffe bauten.
Der Name ist ein Rätsel. Orio könnte von einem Lorbeerbaum, alloro, kommen, der hier gestanden haben soll, oder von einem Wolf, lupo, oder schlicht von einem Ufer, rio. Die Venezianer streiten darüber mit demselben Vergnügen, mit dem sie über das richtige Rezept jenes Gerichts streiten, um das es an dieser Station geht: sarde in saor.
Sarde in saor sind frittierte Sardinen, die in einer Marinade aus langsam gedünsteten Zwiebeln und Essig, oft mit Rosinen und Pinienkernen, mindestens eine Nacht lang durchziehen. Saor heißt Geschmack. Ursprünglich war das Essen für Seeleute: Essig und Zwiebeln hielten den Fisch tagelang haltbar, und die Zwiebeln, so glaubte man, schützten vor Skorbut. Rosinen und Pinienkerne kamen in der reicheren, süßsauren Variante dazu, und die verrät, wie viel Orient in der venezianischen Küche steckt.
Einen festen Termin haben die Sardinen auch: das Fest des Redentore am dritten Wochenende im Juli. Es erinnert an die Pest von 1575 bis 1577, die einen großen Teil der Bevölkerung tötete. Der Senat gelobte damals eine Kirche für den Erlöser auf der Giudecca, Palladios Redentore. Seither feiern die Venezianer in der Nacht zum Sonntag auf Booten und an den Ufern, mit Feuerwerk über dem Bacino und Tellern voller sarde in saor.
Setz dich kurz auf eine Bank und schau, wer vorbeikommt. Kaum Reisegruppen, viele Nachbarn. Das ist selten geworden in einer Altstadt, deren Einwohnerzahl seit Jahrzehnten sinkt. Dann geh nach Norden, Richtung Canal Grande, durch die schmalen Gassen bis zur Riva de Biasio, dem langen Ufer mit der Vaporetto-Station.