Calle Pagés del Corro: Die Cava der gitanos
Why is it significant?
Geh langsam die Calle Pagés del Corro entlang. Sie ist lang und leicht gebogen, und wenn du durch eine offene Haustür schaust, siehst du manchmal einen Innenhof mit Blumentöpfen, Kacheln und Wäscheleinen. Nichts hier sieht nach Bühne aus, und doch ist das einer der wichtigsten Orte des Flamenco.
Key Facts
| Place | Calle Pagés del Corro: Die Cava der gitanos |
|---|---|
| Address | Calle Pagés del Corro, 41010 Sevilla, Spain |
| Geo Coordinates | 37.38150, -6.00100 |
| Part of Walk | Triana: Flamenco, Keramik und Seefahrer in Sevillas Viertel jenseits des Flusses |
| Generated | Generated |
Geh langsam die Calle Pagés del Corro entlang. Sie ist lang und leicht gebogen, und wenn du durch eine offene Haustür schaust, siehst du manchmal einen Innenhof mit Blumentöpfen, Kacheln und Wäscheleinen. Nichts hier sieht nach Bühne aus, und doch ist das einer der wichtigsten Orte des Flamenco.
Die Straße folgt dem Verlauf eines alten Grabens, der cava, und ein Abschnitt hieß im Volksmund lange die Cava de los Gitanos. Hier lebten im 18. und 19. Jahrhundert viele gitano-Familien, oft Schmiede. In ihren Werkstätten, den fraguas, schlugen sie Eisen, und mit dem Rhythmus von Hammer und Amboss verbindet man eine der ältesten Formen des Flamencogesangs: den martinete. Er wird ohne Gitarre gesungen, manchmal nur begleitet vom Schlag eines Hammers auf Metall.
Die Geschichte der gitanos in Spanien ist auch eine Geschichte der Verfolgung. Am 30. Juli 1749 ließ die Krone in einer landesweiten Razzia, der Gran Redada, Tausende gitanos verhaften, Männer, Frauen und Kinder. Die Männer wurden in Arsenale und Werften geschickt, die Frauen in Arbeitshäuser, und viele kamen erst nach Jahren frei. Viele Kenner sagen, dass der Ernst, den man im cante jondo, dem tiefen Gesang, bis heute hört, aus solchen Erfahrungen kommt.
Gesungen wurde in den corrales de vecinos, Gemeinschaftshöfen, in denen Dutzende Familien um einen einzigen Patio mit Brunnen wohnten. Hier wurden Taufen gefeiert und Tote betrauert, und es wurde gesungen, für sich, nicht für Publikum. Namen aus jener Zeit wie La Andonda oder Ramón el Ollero, der Töpfer, leben in den soleares de Triana weiter, doch Aufnahmen von ihnen gibt es nicht. Wir kennen ihre Stimmen nur aus den Strophen, die andere weitergesungen haben.
In den 1950er- und 1960er-Jahren ging diese Welt zu Ende. Viele corrales wurden abgerissen oder umgebaut, und die meisten gitano-Familien mussten Triana verlassen, hinaus in neue Siedlungen am Stadtrand. Der Flamenco überlebte, aber er zog auf die Bühnen und in die peñas, die Flamencovereine. Geh jetzt nach Norden bis zur Calle Antillano Campos. Dort wartet die andere große Kunst Trianas, die aus dem Feuer kommt: die Keramik.