Calle Betis: Das Ufer Trianas
Why is it significant?
Lehn dich an die Brüstung über dem Fluss. Hinter dir reihen sich die Häuser der Calle Betis auf, in Gelb, Rosa, Ocker und Weiß. Vor dir, auf der anderen Seite des Guadalquivir, glänzt der zwölfeckige Torre del Oro, und dahinter ragt die Giralda auf.
Key Facts
| Place | Calle Betis: Das Ufer Trianas |
|---|---|
| Address | Calle Betis, 41010 Sevilla, Spain |
| Geo Coordinates | 37.38150, -5.99840 |
| Part of Walk | Triana: Flamenco, Keramik und Seefahrer in Sevillas Viertel jenseits des Flusses |
| Generated | Generated |
Lehn dich an die Brüstung über dem Fluss. Hinter dir reihen sich die Häuser der Calle Betis auf, in Gelb, Rosa, Ocker und Weiß. Vor dir, auf der anderen Seite des Guadalquivir, glänzt der zwölfeckige Torre del Oro, und dahinter ragt die Giralda auf. Es ist der Blick, für den selbst die Sevillaner hierherkommen.
Betis ist der alte römische Name des Flusses, Baetis, und nach ihm hieß die ganze römische Provinz Baetica. Die Araber nannten ihn später al-wadi al-kabir, den großen Fluss, und daraus wurde Guadalquivir. In diesem einen Straßennamen steckt also die Antike, und im Fluss davor das Mittelalter. Sogar einer der beiden großen Fußballklubs der Stadt, Real Betis, trägt diesen Namen.
Jedes Jahr im Juli verwandelt sich diese Straße in ein Volksfest, die Velá de Santiago y Santa Ana, deren Wurzeln bis ins Mittelalter reichen. Dann stehen Buden am Ufer, es wird gegessen, getrunken und getanzt, und auf kleinen Bühnen erklingen Sevillanas und Flamenco. Höhepunkt ist die cucaña, ein eingefetteter Balken, der über den Fluss ragt. Wer bis ans Ende balanciert und das Fähnchen greift, ist der Held des Abends. Die meisten landen unter großem Jubel im Wasser.
Die Sevillanas, die du dort hörst, sind übrigens nicht dasselbe wie Flamenco, auch wenn beides oft in einem Atemzug genannt wird. Sie stammen von alten Seguidillas ab, werden paarweise in vier festen Teilen getanzt, und fast jeder in Sevilla kann sie, vom Kind bis zur Großmutter. Flamenco dagegen ist eine Kunst für Profis und Kenner, mit Improvisation und tiefem Ernst. Auf der Feria im Frühling und hier am Ufer verschwimmen die Grenzen, und das ist gut so.
Bevor du weitergehst, noch ein Blick auf das Wasser. Von diesem Fluss brachen die Schiffe nach Amerika auf, und Triana gab nach der Überlieferung dem Mann seinen Namen, der als Erster von Kolumbus' Flotte Land sah: Rodrigo de Triana, Matrose auf der Pinta, am 12. Oktober 1492. Die versprochene Belohnung, so wird erzählt, strich am Ende Kolumbus selbst ein. Geh nun durch eine der Quergassen zurück ins Viertel, zur Kirche Santa Ana, deren Turm du schon über den Dächern siehst.