Jardines de Murillo und das Kolumbus-Denkmal
Why is it significant?
Geh unter den riesigen Feigenbäumen der Jardines de Murillo hindurch, deren Luftwurzeln wie graue Vorhänge herabhängen, bis zum Denkmal für Christoph Kolumbus mit seinen beiden hohen Säulen. Auf der einen Seite verläuft die Mauer des Alcázar, auf der anderen rauscht der Verkehr.
Key Facts
| Place | Jardines de Murillo und das Kolumbus-Denkmal |
|---|---|
| Address | Paseo de Catalina de Ribera, 41004 Sevilla, Spain |
| Geo Coordinates | 37.38350, -5.98790 |
| Part of Walk | Kaiser, Kathedrale, Judería: Sevillas Altstadt zwischen Giralda, Real Alcázar und Santa Cruz |
| Generated | Generated |
Geh unter den riesigen Feigenbäumen der Jardines de Murillo hindurch, deren Luftwurzeln wie graue Vorhänge herabhängen, bis zum Denkmal für Christoph Kolumbus mit seinen beiden hohen Säulen. Auf der einen Seite verläuft die Mauer des Alcázar, auf der anderen rauscht der Verkehr. Dazwischen liegt eine grüne Insel.
Diese Gärten gehörten einst zu den Obstgärten des Alcázar. Im 19. Jahrhundert überließ Königin Isabella II. sie der Stadt, und später benannte man sie nach dem berühmtesten Maler, den Sevilla im 17. Jahrhundert hervorbrachte: Bartolomé Esteban Murillo, geboren Ende 1617 und getauft am ersten Januar 1618. Das Kolumbus-Denkmal stammt dagegen aus den 1920er-Jahren, aus der Zeit, als die Stadt ihre Verbindung zu Amerika feierte.
Murillos Sevilla war eine Stadt der Extreme. Über den Hafen strömte das Silber Amerikas herein, doch 1649 raffte die Pest nach Schätzungen fast die Hälfte der Bevölkerung dahin, und in den Straßen lebten unzählige Waisen. Murillo malte prächtige Madonnen für Kirchen und Klöster, aber er malte auch diese Kinder: barfuß, zerlumpt, beim Würfeln, beim Essen von Trauben und Melonen, und manchmal lachend, trotz allem. Er wusste, wovon er malte: Er selbst verlor seine Frau und mehrere seiner Kinder.
Und jetzt kommt die deutsche Pointe. Mehrere dieser Straßenkinderbilder hängen nicht in Sevilla, sondern in München, in der Alten Pinakothek. Die Trauben- und Melonenesser, die würfelnden Buben, sie kamen schon um 1700 in die Sammlung der bayerischen Kurfürsten. Generationen von Münchnern haben Sevillas Gassenkinder bei Murillo kennengelernt, ohne je in Sevilla gewesen zu sein.
Murillo selbst stürzte in Cádiz von einem Malgerüst, während er an einem Altarbild arbeitete, und starb 1682 in Sevilla an den Folgen. Von hier aus gehst du ein Stück zurück nach Norden und dann durch den schmalen Callejón del Agua an der Mauer entlang, in deren Innerem einst Wasser zum Alcázar floss. Am Ende führt dich der überwölbte Durchgang der Calle Judería hinaus auf einen der schönsten Plätze der Stadt.