Der Babuino: Roms hässlichster Spötter

Why is it significant?

Hier, an der Ecke der Via dei Greci, liegt neben der kleinen Kirche Sant'Atanasio eine Figur auf einem Brunnenbecken: ein bärtiger, verwitterter Mann mit verzogenem Gesicht, der sich lässig auf den Ellbogen stützt.

Key Facts

PlaceDer Babuino: Roms hässlichster Spötter
AddressVia del Babuino, 00187 Roma RM, Italy
Geo Coordinates41.90780, 12.47940
Part of WalkGoethe in Rom: Auf den Spuren der Italienischen Reise und der deutschen Künstler
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Hier, an der Ecke der Via dei Greci, liegt neben der kleinen Kirche Sant'Atanasio eine Figur auf einem Brunnenbecken: ein bärtiger, verwitterter Mann mit verzogenem Gesicht, der sich lässig auf den Ellbogen stützt. Ursprünglich war er ein Silen, einer der trinkfreudigen Begleiter des Weingottes Bacchus. Aber als die Römer ihn im 16. Jahrhundert hier sahen, fiel ihnen nur ein Vergleich ein: ein Affe.

Sie nannten ihn Babuino, den Pavian, und der Spott setzte sich so durch, dass die Straße, die eigentlich nach Papst Paul dem Dritten Via Paolina hieß, bald nur noch Via del Babuino genannt wurde. Eine Statue, die einem Papst den Straßennamen stiehlt... das gibt es wohl nur in Rom. Der Babuino gehört zu den sechs sprechenden Statuen der Stadt, an die nachts anonyme Spottverse gegen die Mächtigen geheftet wurden.

Die Kirche neben ihm, Sant'Atanasio dei Greci, gehört zum Griechischen Kolleg, das Papst Gregor der Dreizehnte 1577 gründete, damit hier Priester des byzantinischen Ritus ausgebildet werden. Bis heute wird in ihr die Liturgie auf Griechisch gefeiert, und die beiden Glockentürme gehen auf einen Entwurf von Giacomo della Porta zurück. Der Babuino selbst kam übrigens erst 1957 an diese Stelle, nachdem er jahrzehntelang in einem Innenhof verschwunden war.

Zu Goethes Zeit war diese Gegend das Quartier der Fremden. Die reichen Engländer auf ihrer Grand Tour wohnten so dicht um die Piazza di Spagna, dass man vom Ghetto der Engländer sprach. Die Deutschen waren meist ärmer, suchten Kammern in Seitengassen und unter Dächern und teilten sich Ateliers. Goethe beschreibt in seinen Briefen, wie er Tag für Tag mit Tischbein und anderen Künstlern losging, zeichnend und schauend, durch die ganze Stadt.

Und gleich hinter diesen Häusern versteckt sich eine Gasse, in der sich die Künstler später sammelten wie nirgends sonst in Rom. Geh die Via del Babuino ein kleines Stück hinunter und durch die nächste Querstraße links hinüber in die parallele Gasse. Dort wird es plötzlich still.

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