Karlsplatz: der alte Viehmarkt
Why is it significant?
Vor dir öffnet sich ein Platz, der eigentlich ein Park ist: Kastanien, Rasen, Brunnen und Statuen, ringsum Kirchen, Schulen und Bürgerhäuser. Der Karlsplatz gehört zu den größten Plätzen Europas, und als Karl IV. ihn 1348 anlegen ließ, roch es hier nicht nach Blumen, sondern nach Vieh.
Key Facts
| Place | Karlsplatz: der alte Viehmarkt |
|---|---|
| Address | Karlovo náměstí, 120 00 Praha 2, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.07520, 14.41960 |
| Part of Walk | Prag für Genießer: Bier, Märkte und böhmische Küche |
| Generated | Generated |
Vor dir öffnet sich ein Platz, der eigentlich ein Park ist: Kastanien, Rasen, Brunnen und Statuen, ringsum Kirchen, Schulen und Bürgerhäuser. Der Karlsplatz gehört zu den größten Plätzen Europas, und als Karl IV. ihn 1348 anlegen ließ, roch es hier nicht nach Blumen, sondern nach Vieh.
Die neue Prager Neustadt brauchte Märkte, und Karl verteilte sie mit Plan: die Pferde dorthin, wo heute der Wenzelsplatz liegt, das Heu auf den Heumarkt, und hier, auf die größte Fläche, das Vieh. Jahrhundertelang hieß der Platz schlicht Viehmarkt, Dobytčí trh. Rinder, Schweine und Schafe wechselten hier den Besitzer, und ringsum lebten Fleischer, Gerber und Wirte. Erst im 19. Jahrhundert wurde aus dem staubigen Marktplatz der grüne Park, den du heute siehst.
Und ohne Viehmarkt kein Schweinebraten. Das inoffizielle Nationalgericht der Tschechen heißt vepřo knedlo zelo, Schwein, Knödel, Kraut, und schon der Name klingt wie ein Schlachtruf. Dazu kommt die svíčková: Rinderlende in einer samtigen Sauce aus Wurzelgemüse und Sahne, mit Preiselbeeren, einem Klecks Schlagsahne und Scheiben von Serviettenknödeln. Diese Knödel sind übrigens nicht zum Sattwerden da. Sie sind dazu da, die Sauce aufzusaugen, und ein Tscheche beurteilt eine Küche oft danach, wie gut ihre Sauce ist.
Der Platz hatte noch eine zweite, heilige Seite. In seiner Mitte stand einst eine Kapelle, und schon unter Karl IV. zeigte man hier einmal im Jahr dem Volk die Reliquien und Reichskleinodien. Pilger strömten herbei, und wo Pilger sind, sind auch Garküchen und Bierschenken. Am südlichen Ende des Platzes steht außerdem das sogenannte Faust-Haus. Die Legende erzählt, der Teufel habe Doktor Faust dort durch ein Loch in der Decke geholt, das sich danach nie wieder schließen ließ.
Am nördlichen Ende siehst du das Neustädter Rathaus mit seinem Turm. Dort warfen aufgebrachte Hussiten 1419 Ratsherren aus dem Fenster, der erste Prager Fenstersturz. Doch für heute genug Geschichte mit leerem Glas. Verlass den Platz nach Nordwesten, über die Myslíkova in die schmale Křemencova. Dort wartet ein Bier, das seit über fünfhundert Jahren im selben Haus gebraut wird.