Tanzendes Haus: Havels Nachbar am Fluss

Why is it significant?

Vor dir wiegt sich ein Gebäude im Wind... zumindest sieht es so aus. Ein gläserner Turm, der sich in der Taille zusammenzieht wie ein Kleid, lehnt sich an einen steinernen Partner mit einem Metallknäuel als Kopf.

Key Facts

PlaceTanzendes Haus: Havels Nachbar am Fluss
AddressJiráskovo náměstí 1981/6, 120 00 Praha 2, Czechia
Geo Coordinates50.07540, 14.41420
Part of WalkPanzer, Kerzen und Schlüsselbunde: Prag 1968 und 1989 rund um den Wenzelsplatz
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Vor dir wiegt sich ein Gebäude im Wind... zumindest sieht es so aus. Ein gläserner Turm, der sich in der Taille zusammenzieht wie ein Kleid, lehnt sich an einen steinernen Partner mit einem Metallknäuel als Kopf. Die Prager nennen es Tančící dům, das Tanzende Haus, und die Architekten selbst nannten es Ginger und Fred.

Entworfen haben es der tschechische Architekt Vlado Milunić und der Amerikaner Frank Gehry, fertig wurde es 1996. Das Grundstück war seit dem Februar 1945 eine Lücke, als amerikanische Bomber Prag irrtümlich bombardierten. Ein halbes Jahrhundert lang stand hier nichts... und dann gleich so etwas.

Den Anstoß gab ein Nachbar. Im Haus direkt daneben, am Rašínovo nábřeží, lebte Václav Havel, in einem Gebäude, das sein Großvater gebaut hatte. Havel liebte die Idee, an diesem leeren Platz etwas Mutiges zu errichten, ein Haus, das nach Freiheit aussieht und nicht nach Plan. Viele Prager waren entsetzt, ein dekonstruktivistischer Glasbau zwischen den Gründerzeitfassaden des Ufers, das ging vielen zu weit. Heute gehört es zu den meistfotografierten Gebäuden der Stadt.

Denk an den Weg, den du heute gegangen bist: vom Funkhaus, um das 1968 Barrikaden brannten, über das Kreuz für Jan Palach und den Balkon, auf dem Dubček und Havel standen, bis zu den Händen an der Národní und der Krypta voller Einschüsse. Und jetzt ein Haus, das tanzt. Am 29. Dezember 1989 wurde Havel zum Präsidenten gewählt, der Gefangene vom Frühjahr war zum Staatsoberhaupt geworden.

Havel hat sinngemäß gesagt, dass Hoffnung nicht die Überzeugung sei, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. Ich finde, dieses schiefe, fröhliche Gebäude ist die beste Illustration dafür. Von der Dachterrasse hast du einen weiten Blick über die Moldau bis zur Burg. Und wenn du dich jetzt an einer Stelle Prags wiederfindest, an der du einen Moment innehalten willst... dann ist dieser Spaziergang genau richtig zu Ende gegangen.

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