Kyrill-und-Method-Kathedrale: Die Krypta der Fallschirmspringer

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Bleib auf dem Gehsteig der Resslova stehen und schau auf das kleine Kellerfenster an der Seitenwand der Kirche. Rund um die Öffnung ist der Stein von Einschüssen zerfurcht, Narben, die niemand ausgebessert hat. Darunter Gedenktafeln, Blumen, oft ein paar Kerzen.

Key Facts

PlaceKyrill-und-Method-Kathedrale: Die Krypta der Fallschirmspringer
AddressResslova 307/9a, 120 00 Praha 2, Czechia
Geo Coordinates50.07570, 14.41660
Part of WalkPanzer, Kerzen und Schlüsselbunde: Prag 1968 und 1989 rund um den Wenzelsplatz
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Bleib auf dem Gehsteig der Resslova stehen und schau auf das kleine Kellerfenster an der Seitenwand der Kirche. Rund um die Öffnung ist der Stein von Einschüssen zerfurcht, Narben, die niemand ausgebessert hat. Darunter Gedenktafeln, Blumen, oft ein paar Kerzen. Die Kirche wurde in den 1730er Jahren als katholische Kirche des heiligen Karl Borromäus gebaut und gehört seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts der orthodoxen Kirche.

Ende Dezember 1941 sprangen zwei Soldaten der tschechoslowakischen Exilarmee aus einem britischen Flugzeug über dem besetzten Protektorat ab: der Slowake Jozef Gabčík und der Tscheche Jan Kubiš. Ihr Ziel war Reinhard Heydrich, stellvertretender Reichsprotektor und einer der Hauptorganisatoren des Holocaust. Am 27. Mai 1942 griffen sie in einer Kurve im Stadtteil Libeň seinen offenen Wagen an. Gabčíks Maschinenpistole versagte, doch Kubišs Bombe verwundete Heydrich schwer. Er starb am 4. Juni.

Die Rache der Nationalsozialisten war furchtbar. Am 10. Juni 1942 wurde das Dorf Lidice ausgelöscht, die Männer erschossen, die Frauen ins Konzentrationslager verschleppt, die meisten Kinder ermordet. Tausende wurden verhaftet und hingerichtet. Die Attentäter und fünf weitere Fallschirmspringer fanden Unterschlupf hier, in der Krypta dieser orthodoxen Kirche, versteckt mit Hilfe des Priesters und des Bischofs Gorazd.

Verraten wurden sie von Karel Čurda, selbst ein Fallschirmspringer, der sich der Gestapo stellte und die ausgesetzte Belohnung kassierte. Nach dem Krieg wurde er hingerichtet. Am frühen Morgen des 18. Juni 1942 umstellten Hunderte SS-Männer die Kirche. Stundenlang hielten sieben Männer stand, oben auf der Empore, dann unten in der Krypta. Die Feuerwehr wurde gerufen, um Wasser durch genau dieses Fenster hineinzupumpen. Am Ende überlebte keiner der sieben.

Bischof Gorazd und die Helfer wurden später hingerichtet. Heute ist die Krypta eine nationale Gedenkstätte, mit den Spuren der Kugeln an den Wänden. Es ist ein Ort, an dem man leise wird, auch als Deutscher, gerade als Deutscher. Geh jetzt die Resslova hinunter zum Fluss. Am Ufer steht ein Haus, das zu tanzen scheint, und mit ihm endet dieser Spaziergang.

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