Palackého náměstí: Der Vater der Nation

Why is it significant?

Auf einem hohen Sockel sitzt ein alter Mann in Bronze, versunken in Gedanken, und um ihn herum winden sich Figuren, die aus dem Stein zu steigen scheinen: Leidende, Kämpfende, Erwachende. Das Denkmal von Stanislav Sucharda, 1912 enthüllt, gehört zu den kühnsten Skulpturen der ganzen Stadt.

Key Facts

PlacePalackého náměstí: Der Vater der Nation
AddressPalackého náměstí, 128 00 Praha 2, Czechia
Geo Coordinates50.07300, 14.41470
Part of WalkPrag Vyšehrad: Libuše, die Moldau und der Felsen der Legenden
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Auf einem hohen Sockel sitzt ein alter Mann in Bronze, versunken in Gedanken, und um ihn herum winden sich Figuren, die aus dem Stein zu steigen scheinen: Leidende, Kämpfende, Erwachende. Das Denkmal von Stanislav Sucharda, 1912 enthüllt, gehört zu den kühnsten Skulpturen der ganzen Stadt.

Der Mann auf dem Sockel ist František Palacký, Historiker, Politiker und für die Tschechen schlicht der Vater der Nation. Und jetzt halt dich fest: Sein großes Werk über die Geschichte Böhmens erschien zuerst auf Deutsch. Deutsch war im 19. Jahrhundert die Sprache der Gebildeten in Prag, und auch Palacký schrieb so. Er stammte aus einer protestantischen Lehrerfamilie in Mähren und durchforstete in Prag die Archive, wie andere Leute Romane lesen. Die tschechische Fassung kam später, und sie wurde zum Fundament eines ganzen nationalen Selbstverständnisses.

Berühmt wurde Palacký 1848 mit einem Brief nach Frankfurt. Man hatte ihn eingeladen, im Vorparlament an einem neuen Deutschland mitzuwirken, und er lehnte ab. Er sei ein Böhme slawischen Stammes, schrieb er sinngemäß, und Böhmen gehöre nicht in einen deutschen Nationalstaat. Später prägte er den Satz, die Tschechen hätten schon vor Österreich existiert und würden auch nach ihm existieren. Mit diesem Brief begann eine Trennung, die das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen in Böhmen für hundert Jahre prägen sollte.

Der Platz öffnet sich zur Brücke, die ebenfalls Palackýs Namen trägt, gebaut zwischen 1876 und 1878. Stell dir vor, wie sie um 1900 aussah: An ihren Enden standen gewaltige Steingruppen von Josef Václav Myslbek, Helden und Heldinnen aus den Sagen des alten Böhmen. Prag spazierte über seine eigene Mythologie zur Arbeit.

Heute stehen diese Figuren nicht mehr hier, und das hat mit dem Februar 1945 zu tun, dessen Spuren du eben am Emmauskloster gesehen hast. Wo sie geblieben sind, erfährst du oben auf dem Felsen. Geh jetzt am Ufer entlang nach Süden, Richtung des dunklen Felsens, der vor dir über dem Fluss aufragt, bis zu einem kleinen, alten Haus, das zwischen Straßenbahngleisen und Uferstraße steht wie ein Überbleibsel aus einem verschwundenen Dorf.

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