Emmauskloster: Die Abtei der Slawen und die Betonsegel
Why is it significant?
Vor dir ragen über einer gotischen Kirche zwei weiße, geschwungene Spitzen in den Himmel, die sich oben fast berühren, wie zwei Segel oder zwei Hände beim Gebet. Mittelalter unten, Beton oben... und genau an dieser Naht erzählt das Emmauskloster seine ganze Geschichte.
Key Facts
| Place | Emmauskloster: Die Abtei der Slawen und die Betonsegel |
|---|---|
| Address | Vyšehradská 49/320, 128 00 Praha 2, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.07200, 14.41770 |
| Part of Walk | Prag Vyšehrad: Libuše, die Moldau und der Felsen der Legenden |
| Generated | Generated |
Vor dir ragen über einer gotischen Kirche zwei weiße, geschwungene Spitzen in den Himmel, die sich oben fast berühren, wie zwei Segel oder zwei Hände beim Gebet. Mittelalter unten, Beton oben... und genau an dieser Naht erzählt das Emmauskloster seine ganze Geschichte.
Gegründet hat es Kaiser Karl IV. im Jahr 1347, und er hatte etwas ganz Besonderes vor. Er holte Benediktiner aus Kroatien, die ihre Gottesdienste nicht auf Latein feierten, sondern in kirchenslawischer Sprache, geschrieben in der alten glagolitischen Schrift. Deshalb heißt der Ort bis heute Na Slovanech, Bei den Slawen. Karl, Sohn einer Přemyslidin und eines Luxemburgers, wollte eine Brücke zwischen der lateinischen und der slawischen Welt bauen, mitten in seiner neuen Stadt. Die Mönche schrieben hier auch Handschriften, und der kirchenslawische Teil des Evangeliars von Reims, auf das später französische Könige ihren Krönungseid ablegten, soll in diesem Kloster entstanden sein.
Geweiht wurde die Kirche 1372 am Ostermontag, an dem in der Messe das Evangelium von den Emmausjüngern gelesen wird. So kam das Kloster zu seinem zweiten Namen. Im Kreuzgang haben sich Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert erhalten, ein Bilderbuch der Bibel, auf dem Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament einander gegenübergestellt sind.
Am 14. Februar 1945 fielen Bomben auf Prag. Amerikanische Flugzeuge hatten sich bei schlechter Sicht verflogen und hielten die Stadt für Dresden. Rund 700 Menschen starben, ganze Häuserzeilen in der Neustadt brannten, und das Emmauskloster verlor sein Dach und seine Türme. Jahrzehntelang stand die Kirche als Wunde da. Erst 1967 erhielt sie die beiden Betonspitzen, die du jetzt siehst, entworfen von dem Architekten František Maria Černý. Die Kommunisten hatten die Mönche da längst vertrieben, erst nach 1990 kehrten Benediktiner zurück.
Manche Prager fanden die Segel anfangs scheußlich, heute gehören sie zur Silhouette der Stadt wie die gotischen Türme. Geh nun die Treppen hinunter zur Moldau, zu einem Platz, auf dem ein steinerner Gelehrter sitzt, umringt von Gestalten, die aus seinem Kopf zu steigen scheinen.