Heinrichsturm (Jindřišská věž)
Why is it significant?
Leg den Kopf in den Nacken: Vor dir steigt ein schlanker, dunkler Turm auf, gekrönt von einem spitzen Helm mit vier kleinen Ecktürmchen. Er gehört zur Kirche St. Heinrich und Kunigunde, steht aber ganz allein, als hätte er sich mit ihr gestritten.
Key Facts
| Place | Heinrichsturm (Jindřišská věž) |
|---|---|
| Address | Jindřišská, 110 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08510, 14.43010 |
| Part of Walk | Prag zwischen Jugendstil und Kubismus: Kuppeln, Kristallhäuser und ein Café aus Prismen |
| Generated | Generated |
Leg den Kopf in den Nacken: Vor dir steigt ein schlanker, dunkler Turm auf, gekrönt von einem spitzen Helm mit vier kleinen Ecktürmchen. Er gehört zur Kirche St. Heinrich und Kunigunde, steht aber ganz allein, als hätte er sich mit ihr gestritten.
Der Heinrichsturm, auf Tschechisch Jindřišská věž, wurde in den 1470er-Jahren als Glockenturm errichtet. Die Kirche daneben ist noch älter, sie gehörte zur Neustadt, die Karl IV. 1348 gründete. Mit seinen knapp siebzig Metern ist der Turm der höchste freistehende Glockenturm Prags. Seine Glocken riefen die Bewohner der Neustadt zum Gottesdienst und warnten sie bei Feuer. Er überstand Brände, Kriege und Belagerungen, und nach einer gründlichen Sanierung um das Jahr 2000 kann man heute sogar in seinen Stockwerken herumsteigen.
Aber warum beginnt eine Tour über Jugendstil und Kubismus bei einem gotischen Turm? Weil die jungen Prager Architekten um 1910 genau solche Formen anstarrten. Die Kubisten wollten nicht einfach Picasso in Stein übersetzen. Sie suchten in der eigenen Stadt nach Energie: in gotischen Rippengewölben, in spitzen Turmhelmen, in den zackigen Formen des böhmischen Barock.
1911 schrieb der Architekt Pavel Janák einen Aufsatz mit dem Titel Prisma und Pyramide. Seine These: Die Gotik habe die tote Materie bezwungen, indem sie sie nach oben riss, und die neue Architektur müsse dasselbe tun, mit schrägen Flächen, Kanten und Kristallformen. Schau dir den Helm über dir an, die Pyramide auf dem Prisma des Turms... und du verstehst, was er meinte. Ausgerechnet ein spätmittelalterlicher Glockenturm wird so zum Großvater eines ganz modernen Stils. Janák, Gočár und ihre Freunde zeichneten bald Fenster wie geschliffene Edelsteine und Fassaden, die aussehen, als stünden sie unter Spannung.
Halte diese Linien im Kopf, wir begegnen ihnen bald wieder an Fassaden, Fenstern und sogar an einem Treppengeländer. Zuerst aber geht es zum Gegenpol, zur weichen, blumigen Seite der Zeit um 1900. Geh ein paar Schritte weiter in die Panská, eine kleine Seitengasse. Dort wohnt heute der berühmteste Jugendstil-Künstler Tschechiens.