Rilkes Geburtshaus in der Jindřišská
Why is it significant?
Bleib in der Jindřišská stehen, der Straße, die vom Wenzelsplatz hinüberführt zum freistehenden Glockenturm von St. Heinrich. Um dich herum Bürohäuser, Hotels, Straßenbahnschienen. Nichts schreit hier nach Poesie... und doch kam an dieser Adresse, damals Heinrichsgasse 19, am 4.
Key Facts
| Place | Rilkes Geburtshaus in der Jindřišská |
|---|---|
| Address | Jindřišská 889/19, 110 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08430, 14.42870 |
| Part of Walk | Kafka, Rilke und das deutsche Prag: Ein Literaturspaziergang durch Alt- und Neustadt |
| Generated | Generated |
Bleib in der Jindřišská stehen, der Straße, die vom Wenzelsplatz hinüberführt zum freistehenden Glockenturm von St. Heinrich. Um dich herum Bürohäuser, Hotels, Straßenbahnschienen. Nichts schreit hier nach Poesie... und doch kam an dieser Adresse, damals Heinrichsgasse 19, am 4. Dezember 1875 ein Junge namens René Maria Rilke zur Welt.
Seine Mutter Phia hatte vor ihm eine Tochter verloren, die schon als Säugling gestorben war. Und so zog sie den kleinen René in seinen ersten Jahren an wie ein Mädchen, mit Kleidchen und langen Locken, und nannte ihn manchmal bei Mädchennamen. Der Vater, ein Eisenbahnbeamter mit gescheiterter Offizierskarriere, wollte dagegen einen Soldaten. Zwischen diesen beiden Wünschen wuchs ein sehr empfindsames Kind auf.
Mit zehn Jahren wurde René auf eine Militärschule geschickt, erst nach Sankt Pölten, dann nach Mährisch Weißkirchen. Er hat diese Jahre später als Hölle beschrieben. Krank, gequält, unfähig zum Drill, wurde er schließlich herausgenommen und machte in Prag sein Abitur nach. Dann schrieb er sich an der Deutschen Universität ein... und schrieb vor allem Gedichte.
Sein früher Band Larenopfer von 1895 ist eine Liebeserklärung an diese Stadt: an die Kleinseite, die Moldau, die Gassen, sogar an die tschechischen Nachbarn, für die er ungewöhnlich viel Sympathie zeigte. Kurz darauf entstanden auch die Zwei Prager Geschichten, die 1899 erschienen. Aber Prag war ihm zu eng. 1896 ging er nach München, und dort riet ihm Lou Andreas-Salomé, den verspielten René gegen einen kräftigeren Namen zu tauschen. So wurde aus René Rainer.
Rilke hat danach in Paris, in der Schweiz, in Russland und Italien gelebt, aber die Prager Kindheit ist in seinen Gedichten nie ganz verschwunden: die Angst, die Mutter, die Engel. Der berühmte Anfang der Duineser Elegien, wer, wenn ich schriee, hörte mich denn, klingt wie die Frage eines Kindes in einem dunklen Zimmer. Geh jetzt Richtung Norden, über den Senovážné-Platz hinüber zur Straße Na Poříčí. Dort arbeitete Kafka vierzehn Jahre lang im Büro.