Deutsches Haus am Graben (Slovanský dům)
Why is it significant?
Spazier auf der Na Příkopě bis zu dem langgezogenen Palais mit dem stillen Innenhof, in dem heute Geschäfte und ein Kino Platz finden. Über dem Eingang steht Slovanský dům, Slawisches Haus. Der Name ist eine Antwort... denn jahrzehntelang hieß dieses Gebäude ganz anders.
Key Facts
| Place | Deutsches Haus am Graben (Slovanský dům) |
|---|---|
| Address | Na Příkopě 859/22, 110 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08600, 14.42760 |
| Part of Walk | Kafka, Rilke und das deutsche Prag: Ein Literaturspaziergang durch Alt- und Neustadt |
| Generated | Generated |
Spazier auf der Na Příkopě bis zu dem langgezogenen Palais mit dem stillen Innenhof, in dem heute Geschäfte und ein Kino Platz finden. Über dem Eingang steht Slovanský dům, Slawisches Haus. Der Name ist eine Antwort... denn jahrzehntelang hieß dieses Gebäude ganz anders.
Ab 1873 war es das Deutsche Haus, das Kasino der Prager Deutschen. Hier tanzte man auf Bällen, las Zeitungen aus Wien und Berlin, hielt Vorträge und Vereinssitzungen. Und die Straße davor, der Graben, war ihr Boulevard. Am Sonntagvormittag flanierte das deutsche Prag hier auf und ab, während die Tschechen auf der Ferdinandstraße promenierten. Man grüßte, man wurde gesehen... und man blieb unter sich. Wie dünn der Frieden war, zeigte der Dezember 1897: Nach dem Sturz des Ministerpräsidenten Badeni, dessen Sprachenverordnungen die Deutschen in Böhmen erbittert bekämpft hatten, zogen tagelang aufgebrachte Menschenmengen durch Prag, Fenster deutscher und jüdischer Geschäfte gingen zu Bruch, und über die Stadt wurde das Standrecht verhängt.
Dabei war diese Welt viel kleiner, als ihr Selbstbewusstsein vermuten ließ. Um 1900 gab nur noch eine kleine Minderheit der Prager, deutlich unter zehn Prozent, Deutsch als Umgangssprache an. Viele von ihnen waren Juden, Beamte, Kaufleute, Professoren. Man hat diese Welt später oft eine Insel genannt. Und auf dieser Insel entstand, eingeschnürt zwischen tschechischem Nationalismus und deutschem Misstrauen, eine Literatur von Weltrang.
Rilke, Kafka, Werfel, Brod, Kisch, Leo Perutz, Paul Leppin, Johannes Urzidil... alle aus derselben Handvoll Straßen. Ihre Zeitung war das Prager Tagblatt, eine der besten deutschsprachigen Zeitungen Mitteleuropas, für die Brod und viele andere schrieben. Man hat dieses Prag oft als Dreieck beschrieben, aus Tschechen, Deutschen und Juden, die einander brauchten und einander misstrauten. Genau diese Reibung war der Motor.
1945, nach Besatzung, Krieg und Holocaust, wurde die deutschsprachige Bevölkerung vertrieben, und das Haus bekam seinen neuen Namen. Eine siebenhundertjährige Geschichte des Prager Deutschtums endete in wenigen Monaten. Geh jetzt weiter bis zum Ende des Grabens und dann rechts in die Jindřišská, die alte Heinrichsgasse. Dort wurde ein Junge geboren, den seine Mutter wie ein Mädchen kleidete.