Gemeindehaus und Pulverturm

Why is it significant?

Hier stehen zwei Epochen Schulter an Schulter: links der dunkle, gotische Pulverturm, rechts das Gemeindehaus, Obecní dům, mit seiner goldenen Kuppel und einem riesigen Mosaik über dem Eingang.

Key Facts

PlaceGemeindehaus und Pulverturm
AddressNáměstí Republiky 1090/5, 110 00 Praha 1, Czechia
Geo Coordinates50.08750, 14.42790
Part of WalkPrag zwischen Jugendstil und Kubismus: Kuppeln, Kristallhäuser und ein Café aus Prismen
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Hier stehen zwei Epochen Schulter an Schulter: links der dunkle, gotische Pulverturm, rechts das Gemeindehaus, Obecní dům, mit seiner goldenen Kuppel und einem riesigen Mosaik über dem Eingang. Das Mosaik heißt Huldigung an Prag, und genau das ist das ganze Gebäude: eine Liebeserklärung in Stein, Glas und Gold.

Fang beim Turm an. Seinen Grundstein legte man 1475, als Stadttor neben dem Königshof, in dem die böhmischen Könige damals wohnten. Doch 1484 zog König Wladislaw zurück auf die Burg, und der Turm blieb ein halbfertiger Stumpf. Im 17. Jahrhundert lagerte man darin Schießpulver, daher der Name, und seine heutige neugotische Spitze bekam er erst im 19. Jahrhundert von Josef Mocker.

Auf dem Grund des alten Königshofs ließ die Stadt Prag dann zwischen 1905 und 1912 das Gemeindehaus bauen, nach Plänen von Antonín Balšánek und Osvald Polívka. Und hier steckt eine kleine Spitze gegen die Deutschen: Ein paar Schritte entfernt, an der Straße Na Příkopě, hatte die deutschsprachige Oberschicht ihr Deutsches Haus. Die tschechische Stadtverwaltung wollte ein eigenes, noch prächtigeres Gesellschaftshaus. Fast alle bedeutenden tschechischen Künstler der Zeit arbeiteten mit, Maler, Bildhauer, Glaskünstler und Kunstschmiede, und Alfons Mucha malte den Bürgermeistersaal aus. Die Liste der Beteiligten liest sich wie ein Lexikon der tschechischen Kunst um 1910.

Im Inneren liegt der Smetana-Saal, der große Konzertsaal. Hier wurde am 28. Oktober 1918 die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei verkündet. Und jedes Jahr am 12. Mai, dem Todestag Bedřich Smetanas, eröffnet hier traditionell das Festival Prager Frühling mit seinem Zyklus Mein Vaterland. Im Erdgeschoss findest du ein Café und ein Restaurant, beide mit originaler Jugendstil-Ausstattung, Lüstern, Messing und Spiegeln. Das Café mit seinen hohen Fenstern gehört bis heute zu den schönsten Orten Prags für eine Tasse Kaffee.

Der Jugendstil hatte damit in Prag seinen Höhepunkt erreicht... und gleichzeitig sein Ende. Denn während hier noch Gold aufgetragen wurde, zeichneten junge Architekten schon an etwas ganz anderem. Geh durch den Pulverturm hindurch in die Celetná. Nach wenigen Schritten siehst du links, an der Ecke zum Obstmarkt, das Ergebnis.

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