Haus zur Schwarzen Muttergottes

Why is it significant?

An der Ecke der Celetná steht ein Haus, das auf den ersten Blick ganz brav wirkt, bis du die Fenster siehst: Ihre Rahmen sind gekippt, gefaltet, wie geschliffene Kristalle. Und an der Ecke, hinter einem vergoldeten Gitter, steht eine kleine schwarze Madonna aus der Barockzeit.

Key Facts

PlaceHaus zur Schwarzen Muttergottes
AddressOvocný trh 569/19, 110 00 Praha 1, Czechia
Geo Coordinates50.08700, 14.42550
Part of WalkPrag zwischen Jugendstil und Kubismus: Kuppeln, Kristallhäuser und ein Café aus Prismen
GeneratedGenerated

Open the walk

An der Ecke der Celetná steht ein Haus, das auf den ersten Blick ganz brav wirkt, bis du die Fenster siehst: Ihre Rahmen sind gekippt, gefaltet, wie geschliffene Kristalle. Und an der Ecke, hinter einem vergoldeten Gitter, steht eine kleine schwarze Madonna aus der Barockzeit. Willkommen im Haus zur Schwarzen Muttergottes.

Josef Gočár baute es 1911 und 1912 als Kaufhaus, und es war eines der ersten kubistischen Gebäude der Welt. Bedenke: Picasso und Braque hatten den Kubismus nur ein paar Jahre zuvor in Paris erfunden, als Malerei. Nur in Prag kam jemand auf die Idee, daraus Häuser, Möbel, Lampen und Kaffeetassen zu machen. Gočár gehörte zu einer Gruppe junger Künstler, die sich 1911 zusammentat und genau das ausprobieren wollte. Unter der Fassade steckt übrigens ein modernes Skelett aus Stahlbeton. Die schrägen Kanten sind also keine statische Notwendigkeit, sondern reiner künstlerischer Wille.

Das Erstaunliche ist, wie respektvoll dieses revolutionäre Haus mit der Altstadt umgeht. Es hält die Höhe der Nachbarn ein, es übernimmt die Madonna vom barocken Vorgängerhaus und behält sogar dessen Namen. Avantgarde, aber mit guten Manieren... das ist typisch Prag.

Jetzt geh hinein und die Treppe hinauf. Das Geländer allein ist schon ein Kunstwerk, ein Spiel aus Kanten und Winkeln. Im ersten Stock liegt das Grand Café Orient, das als einziges kubistisches Café-Interieur der Welt gilt. Es schloss schon in den 1920er-Jahren, weil die Mode sich schneller drehte als die Kaffeemühle, und wurde erst 2005 nach alten Plänen und Fotos rekonstruiert. Die Lampen, die Garderobe, sogar die Griffe: alles Prismen und Facetten. Ein Stück Kuchen schmeckt hier ein bisschen geometrischer.

Kaum war der Stil geboren, kam der Erste Weltkrieg, und danach wurde der Kubismus rund und rot-weiß, wie du an der Legiobank gesehen hast. Die reine, kristalline Phase dauerte also nur wenige Jahre. Deshalb ist jedes dieser Häuser eine kleine Kostbarkeit. Geh jetzt die Celetná hinunter zum Altstädter Ring, überquere ihn und biege rechts in die Pařížská ein, die Pariser Straße.

Nearby stories