Ungelt (Týnský dvůr)
Why is it significant?
Nur ein Torbogen trennt dich vom Trubel des Altstädter Rings, und plötzlich ist es still: ein lang gestreckter Hof mit Renaissance-Arkaden, kleinen Läden und Cafés. Das ist der Týnský dvůr, besser bekannt unter seinem alten deutschen Namen: der Ungelt.
Key Facts
| Place | Ungelt (Týnský dvůr) |
|---|---|
| Address | Týn 1049/3, 110 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08810, 14.42380 |
| Part of Walk | Prag für Genießer: Bier, Märkte und böhmische Küche |
| Generated | Generated |
Nur ein Torbogen trennt dich vom Trubel des Altstädter Rings, und plötzlich ist es still: ein lang gestreckter Hof mit Renaissance-Arkaden, kleinen Läden und Cafés. Das ist der Týnský dvůr, besser bekannt unter seinem alten deutschen Namen: der Ungelt.
Schon im Mittelalter mussten hier alle fremden Kaufleute haltmachen. Der Hof war Herberge, Lagerhaus und Zollstation in einem. Wer in Prag Waren verkaufen wollte, lud sie hier ab, ließ sie zählen und wiegen und zahlte die Abgabe. Diese Abgabe hieß Ungeld, und davon hat der Hof seinen Namen. Dafür stand er unter dem Schutz des Königs, und die Einnahmen flossen in die königliche Kasse.
Stell dir vor, was hier alles ankam: Tuch aus Flandern, Wein aus Österreich und Ungarn, Salz, gesalzener Hering, und Gewürze aus dem Orient wie Pfeffer, Safran und Ingwer, die damals ein kleines Vermögen kosteten. Die Händler kamen aus deutschen Städten, aus Italien, aus dem Osten. Manche Kaufleute blieben wochenlang, bis alles verkauft war, mit ihren Pferden in den Ställen und ihren Knechten in den Schlafkammern. Im Hof wurde in vielen Sprachen gefeilscht, gestritten und gefeiert, und abends floss sicher reichlich Wein.
Schau dir das schönste Haus des Hofes an, das Granovský-Palais mit seiner offenen Loggia und den Malereien aus dem 16. Jahrhundert. Gebaut hat es um 1560 Jakob Granovský von Granov, der damalige Zolleinnehmer. Am Zoll ließ sich offenbar ganz gut verdienen. Unter den Arkaden siehst du biblische und mythologische Szenen, gemalt für einen Mann, der sein Geld mit Pfeffersäcken und Weinfässern machte.
Im Kleinen erzählt der Ungelt, warum Prag reich wurde: Die Stadt lag an der Kreuzung großer Handelswege, und wer hier verkaufen wollte, zahlte. Und ein bisschen von diesem Geld steckt bis heute in jedem Stein der Altstadt. Heute sitzt man unter den Arkaden bei Kaffee und Kuchen, und kaum jemand ahnt, dass hier einmal einer der wichtigsten Umschlagplätze des Königreichs lag. Verlass den Hof, geh über den Altstädter Ring in die Železná, die Eisengasse, nach Süden, bis du die bunten Stände eines Marktes siehst.