Villa Kovařovic: Kubismus aus Stein

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Schau dir die Fassade der Villa vor dir an: Nichts daran ist glatt. Die Fenster sind von schrägen Flächen eingefasst, das Gesims bricht in Kanten, selbst der Gartenzaun besteht aus zackigen Dreiecken, als hätte jemand das Haus nicht gebaut, sondern aus einem Kristall geschliffen.

Key Facts

PlaceVilla Kovařovic: Kubismus aus Stein
AddressLibušina 49/3, 128 00 Praha 2, Czechia
Geo Coordinates50.06680, 14.41570
Part of WalkPrag Vyšehrad: Libuše, die Moldau und der Felsen der Legenden
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Schau dir die Fassade der Villa vor dir an: Nichts daran ist glatt. Die Fenster sind von schrägen Flächen eingefasst, das Gesims bricht in Kanten, selbst der Gartenzaun besteht aus zackigen Dreiecken, als hätte jemand das Haus nicht gebaut, sondern aus einem Kristall geschliffen.

Das ist die Villa Kovařovic, entworfen von Josef Chochol und gebaut 1912 bis 1913 für Bedřich Kovařovic. Chochol hatte in Wien bei Otto Wagner studiert, dem großen Meister der Moderne. Doch zurück in Prag wollte er etwas machen, das es nirgends sonst gab.

Kubismus kennst du wahrscheinlich aus der Malerei, von Picasso und Braque in Paris. Nur in Böhmen aber kamen Architekten auf die Idee, den Kubismus in Häuser zu übersetzen. Für sie sollte ein Gebäude nicht einfach dastehen, sondern Kräfte zeigen: Druck, Spannung, Bewegung. Die schrägen Flächen fangen das Licht und werfen Schatten, sodass die Fassade sich mit jeder Stunde des Tages verändert. Probier es aus: Geh ein paar Schritte zur Seite, und das Haus sieht anders aus.

Die Blüte dauerte nur wenige Jahre. Pavel Janák, ein Weggefährte Chochols, nannte seinen programmatischen Aufsatz Das Prisma und die Pyramide, und genau diese Formen siehst du hier überall. Der Erste Weltkrieg stoppte das Bauen, und danach suchte man andere Formen. Nach 1918 verwandelten einige Architekten die Kanten in runde, farbige Formen, man nannte das Rondokubismus, doch der Zauber der Vorkriegsjahre kam nicht zurück. Gerade deshalb ist diese Ecke unter dem Vyšehrad so kostbar. Ein paar Schritte weiter, direkt am Ufer, steht ein zweites Werk von Chochol, ein Dreifamilienhaus, ebenfalls aus den Jahren 1912 und 1913, mit Giebeln und Gesimsen, die wie gefaltetes Papier wirken.

Und wenn du dich umdrehst, siehst du den Tunnel, der kurz nach 1900 direkt durch den Felsen geschlagen wurde, damit Straße und Bahn am Fluss Platz fanden. Oben auf dem Felsen thront der Vyšehrad. Folge jetzt der Vratislavova bergauf und biege links in die Neklanova, zu einem Eckhaus, das dem Kubismus eine ganze Straßenecke geschenkt hat.

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