Vyšehrader Friedhof und Slavín
Why is it significant?
Hinter dem Tor wird es leise. Grabsteine aus Granit und Marmor, Bronzebüsten, Jugendstilengel, Arkaden mit Mosaiken, und überall Namen, die in Tschechien jedes Schulkind kennt. Lies ruhig ein paar Inschriften, während du gehst: Hier liegt nicht eine Stadt, hier liegt eine Kultur.
Key Facts
| Place | Vyšehrader Friedhof und Slavín |
|---|---|
| Address | K Rotundě 10, 128 00 Praha 2, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.06480, 14.41740 |
| Part of Walk | Prag Vyšehrad: Libuše, die Moldau und der Felsen der Legenden |
| Generated | Generated |
Hinter dem Tor wird es leise. Grabsteine aus Granit und Marmor, Bronzebüsten, Jugendstilengel, Arkaden mit Mosaiken, und überall Namen, die in Tschechien jedes Schulkind kennt. Lies ruhig ein paar Inschriften, während du gehst: Hier liegt nicht eine Stadt, hier liegt eine Kultur.
Der Friedhof bei der Basilika ist alt, doch 1869 beschloss man, ihn zum Ehrenfriedhof der Nation zu machen. Es war die Zeit des nationalen Erwachens, und die Tschechen wollten einen Ort, an dem ihre Dichter, Musiker und Maler beieinander ruhen. Den Mittelpunkt bildet der Slavín, ein gemeinsames Grabmal mit einer großen Gruft, errichtet zwischen 1889 und 1893 nach Plänen von Antonín Wiehl. Auf ihm steht der Satz: Ač zemřeli, ještě mluví. Obwohl sie gestorben sind, sprechen sie noch.
In der Gruft des Slavín ruht unter anderen Alfons Mucha, der Jugendstilkünstler, dessen Plakate in Paris die Welt eroberten. An der Arkade findest du die Büste von Antonín Dvořák, dem Komponisten der Sinfonie Aus der Neuen Welt. Und irgendwo zwischen den Reihen liegt Bedřich Smetana, gestorben 1884, dessen Musik du auf diesem Spaziergang schon die ganze Zeit begleitest, ohne sie zu hören. Auch die Schriftstellerin Božena Němcová liegt hier, deren Roman Die Großmutter in fast jedem tschechischen Bücherregal steht, und Jan Neruda, nach dem die berühmte Gasse auf der Kleinseite benannt ist.
Manche Gräber erzählen von dunklen Zeiten. Karel Čapek, der Schriftsteller, der das Wort Roboter in die Welt brachte, starb Weihnachten 1938, wenige Monate nach dem Münchner Abkommen. Mucha starb im Juli 1939, nachdem ihn die Gestapo nach dem Einmarsch verhört hatte. Der Friedhof ist auch ein Ort, an dem man spürt, wie eng Kunst und Schicksal dieses Landes verbunden sind.
Bleib einen Moment vor dem Slavín stehen und schau dir die geflügelte Figur obendrauf an, den Genius der Heimat. Dann verlass den Friedhof auf der Südseite, an der Basilika vorbei, in den Park, wo dich steinerne Riesen erwarten, die einmal auf einer Brücke standen.