Tschechischer Rundfunk: Die Schlacht um das Funkhaus
Why is it significant?
Schau dir das lange, nüchterne Gebäude an der Vinohradská an, mit den Gedenktafeln an der Fassade und den Kränzen, die hier fast immer liegen. Das ist das Funkhaus des Tschechischen Rundfunks. Zweimal in einem Jahrhundert hing an diesem Ort, wer die Stadt beherrschte. Am 5.
Key Facts
| Place | Tschechischer Rundfunk: Die Schlacht um das Funkhaus |
|---|---|
| Address | Vinohradská 1409/12, 120 00 Praha 2, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.07860, 14.43440 |
| Part of Walk | Panzer, Kerzen und Schlüsselbunde: Prag 1968 und 1989 rund um den Wenzelsplatz |
| Generated | Generated |
Schau dir das lange, nüchterne Gebäude an der Vinohradská an, mit den Gedenktafeln an der Fassade und den Kränzen, die hier fast immer liegen. Das ist das Funkhaus des Tschechischen Rundfunks. Zweimal in einem Jahrhundert hing an diesem Ort, wer die Stadt beherrschte.
Am 5. Mai 1945, in den letzten Kriegstagen, rief eine Stimme aus diesem Haus die Tschechen zum Aufstand gegen die deutsche Besatzung. Rundfunkmitarbeiter und Aufständische verteidigten das Gebäude gegen SS-Einheiten, Barrikaden wuchsen in den Straßen, und Prag erhob sich. Wie viele Menschen in diesen Tagen starben, auf allen Seiten, darüber wird bis heute gestritten. Es waren viele.
Spring jetzt dreiundzwanzig Jahre weiter. In der Nacht zum 21. August 1968 marschierten Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein, um den Prager Frühling zu beenden, Alexander Dubčeks Versuch eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Eines der ersten Ziele war genau dieses Haus. Prager stellten sich den Panzern mit bloßen Händen entgegen, bauten Barrikaden aus Straßenbahnen und Bussen, diskutierten mit verwirrten jungen Soldaten, die oft nicht einmal wussten, in welchem Land sie waren.
Vor dem Funkhaus wurde geschossen, und mehrere Menschen kamen ums Leben. Drinnen sendeten die Redakteure weiter, solange es ging. Dann zogen sie um in geheime Ausweichstudios, und tagelang hörte das Land Stimmen, die die Besatzer nicht finden konnten. Sie riefen zu gewaltlosem Widerstand auf, warnten vor Provokationen... und baten die Menschen, Straßenschilder abzuschrauben, damit sich die Kolonnen verirrten.
Und das taten sie. Über Nacht verschwanden in ganz Prag die Straßennamen und Hausnummern, Wegweiser zeigten plötzlich alle Richtung Moskau. An die Hauswände malten die Prager Sprüche wie: Lenin, wach auf, Breschnew ist verrückt geworden. Ein Land ohne Waffen hatte eine Woche lang die beste Propaganda der Welt. Gewonnen haben am Ende trotzdem die Panzer: Sowjetische Truppen blieben bis 1991 im Land. Geh jetzt die Vinohradská hinunter in Richtung Stadtzentrum. Das große Glas-und-Beton-Gebäude vor dir war einst Parlament, dann der Sitz eines amerikanischen Senders.