Nationalmuseum: Der Palast über dem Wenzelsplatz
Why is it significant?
Steig ein paar Stufen der breiten Rampe hinauf und dreh dich um. Vor dir fällt der Wenzelsplatz ab, über 700 Meter lang, eher ein Boulevard als ein Platz, und hinter dir thront die goldglänzende Kuppel des Nationalmuseums.
Key Facts
| Place | Nationalmuseum: Der Palast über dem Wenzelsplatz |
|---|---|
| Address | Václavské náměstí 1700/68, 110 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.07890, 14.43100 |
| Part of Walk | Panzer, Kerzen und Schlüsselbunde: Prag 1968 und 1989 rund um den Wenzelsplatz |
| Generated | Generated |
Steig ein paar Stufen der breiten Rampe hinauf und dreh dich um. Vor dir fällt der Wenzelsplatz ab, über 700 Meter lang, eher ein Boulevard als ein Platz, und hinter dir thront die goldglänzende Kuppel des Nationalmuseums. Von hier oben sieht man, warum ganz Prag hierher kommt, wenn etwas Großes passiert.
Der mächtige Bau entstand von 1885 bis 1891 nach Plänen von Josef Schulz, als Tempel der tschechischen Nation. Im Inneren das Pantheon, eine Ruhmeshalle mit Statuen und Büsten großer Tschechen. Schulz hat übrigens auch am Rudolfinum mitgebaut, dem Konzerthaus an der Moldau. Das Museum selbst ist älter als sein Palast: Gegründet wurde es 1818, angeregt vom Grafen Kaspar Sternberg, einem Naturforscher, der seine Briefe auf Deutsch schrieb und mit Goethe befreundet war. Ein selbstbewusstes Statement mitten im Habsburgerreich: Seht her, wir sind ein Volk mit eigener Wissenschaft, Kunst und Geschichte.
Im August 1968 stand dieses Gebäude plötzlich im Visier. Sowjetische Soldaten eröffneten das Feuer auf die Fassade, manche sagen, weil sie den Prunkbau für das Parlament oder den Rundfunk hielten. Die Einschüsse wurden später ausgebessert, doch an den helleren Flicken im dunklen Sandstein konnte man sie noch lange erkennen. Eine Stadt, die ihre Wunden nicht offen zeigen durfte, trug sie eben im Stein.
Viele Jahre war das Haupthaus wegen einer gründlichen Sanierung geschlossen. 2018 öffnete es wieder, pünktlich zum hundertsten Jahrestag der Tschechoslowakei. Und noch etwas verbindet dieses Gebäude mit den Umbrüchen: Fast jede große Kundgebung der Prager Geschichte hat es als Kulisse, 1918, 1968, 1989. Es ist das Bühnenbild der Nation.
Wenn du genau hinsiehst, entdeckst du direkt unter dir, am Fuß der Rampe, im Pflaster ein unscheinbares Kreuz aus Bronze, das sich in den Boden zu wölben scheint. An dieser Stelle geschah im Januar 1969 etwas, das die ganze Welt erschütterte. Geh langsam die Rampe hinunter, über die Straße, zum Reiterstandbild des heiligen Wenzel.