Musée de la Vie romantique: Scheffers Atelier und Goethes Gretchen
Why is it significant?
Geh durch die schmale, gepflasterte Einfahrt an der Rue Chaptal, und plötzlich ist die Großstadt verschwunden. Ein stiller Hof, Bäume, Kletterrosen, ein kleiner Garten mit Tischen, und dahinter ein Landhaus mit grünen Fensterläden, wie aus einem Roman.
Key Facts
| Place | Musée de la Vie romantique: Scheffers Atelier und Goethes Gretchen |
|---|---|
| Address | 16 Rue Chaptal, 75009 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.88130, 2.33350 |
| Part of Walk | Pinsel, Mühlen und Bohème: Der Künstlerhügel Montmartre in Paris |
| Generated | Generated |
Geh durch die schmale, gepflasterte Einfahrt an der Rue Chaptal, und plötzlich ist die Großstadt verschwunden. Ein stiller Hof, Bäume, Kletterrosen, ein kleiner Garten mit Tischen, und dahinter ein Landhaus mit grünen Fensterläden, wie aus einem Roman. Mitten im neunten Arrondissement, nur ein paar Minuten vom Lärm der Boulevards entfernt.
Ab 1830 lebte und arbeitete hier Ary Scheffer, ein in Holland geborener Maler, der in Paris zu einem Star der Romantik wurde. Das Viertel war damals ganz neu, man nannte es Nouvelle Athènes, das neue Athen, weil Künstler, Schauspielerinnen und Schriftsteller hierherzogen. In seinen beiden Ateliers im Hof empfing Scheffer an Freitagabenden die halbe Kulturwelt Europas: George Sand und Frédéric Chopin, Eugène Delacroix, Franz Liszt, den jungen Charles Gounod.
Und jetzt horch auf, denn Scheffers berühmteste Bilder hatten eine deutsche Quelle. Immer wieder malte er Szenen aus Goethes Faust, vor allem Gretchen, blass, verloren, mit gesenktem Blick. Und er malte Mignon aus Wilhelm Meister, das Mädchen, das sich nach dem Land sehnt, wo die Zitronen blühn. Als Stiche verbreiteten sich diese Bilder in ganz Europa und hingen bald in bürgerlichen Wohnzimmern von Paris bis Berlin.
Im Haus erinnern heute viele Dinge an George Sand, ihre Möbel, ihr Schmuck, ihre Zeichnungen. Und in einer Vitrine liegt etwas, das dich vielleicht kurz frösteln lässt: ein Gipsabguss von Chopins linker Hand, schmal und feingliedrig... die Hand, die die Nocturnes gespielt hat, nur ein paar Straßen von hier entfernt. Das Haus blieb lange im Besitz von Scheffers Familie, heute ist es ein Museum der Stadt Paris.
Diese Bilder kannte übrigens auch ein deutscher Dichter sehr genau. Heinrich Heine schrieb 1831, kurz nach seiner Ankunft in Paris, lange Berichte über die Maler des Salons, und Scheffer kam darin ausführlich vor, nicht nur freundlich. Heine wird uns am Ende dieses Spaziergangs wiederbegegnen. Geh jetzt zurück auf die Rue Chaptal und dann bergauf in Richtung Place Blanche, wo sich rote Mühlenflügel drehen.