Abbesses: Guimards Metro und die Mauer der Liebe

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Bleib vor dem Metroeingang stehen: ein Glasdach wie die Flügel einer Libelle, grün gestrichenes Gusseisen, geschwungene Stängel mit orangefarbenen Lampen. Und gleich daneben, im kleinen Square Jehan-Rictus, eine Wand aus dunkelblauen Kacheln, über und über mit weißer Schrift bedeckt.

Key Facts

PlaceAbbesses: Guimards Metro und die Mauer der Liebe
AddressSquare Jehan-Rictus, Place des Abbesses, 75018 Paris, France
Geo Coordinates48.88480, 2.33850
Part of WalkPinsel, Mühlen und Bohème: Der Künstlerhügel Montmartre in Paris
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Bleib vor dem Metroeingang stehen: ein Glasdach wie die Flügel einer Libelle, grün gestrichenes Gusseisen, geschwungene Stängel mit orangefarbenen Lampen. Und gleich daneben, im kleinen Square Jehan-Rictus, eine Wand aus dunkelblauen Kacheln, über und über mit weißer Schrift bedeckt.

Der Eingang ist ein Werk von Hector Guimard, dem Meister des französischen Jugendstils, des Art nouveau, entworfen um 1900 für die allererste Metro. Seine Formen sind Pflanzen nachempfunden, Stängel, Blätter, Knospen, und das geschwungene Schild mit dem Wort Métropolitain wurde selbst zu einem Markenzeichen von Paris. Nur zwei seiner Eingänge mit vollständigem Glasdach sind in Paris erhalten, und dieser stand ursprünglich gar nicht hier. Er überdachte die Station am Rathaus und wurde erst 1974 auf den Montmartre versetzt. Damals fanden viele Pariser Guimards Pflanzenformen altmodisch und ließen etliche seiner Eingänge abreißen... heute würde man sie vergolden.

Unter deinen Füßen geht es tief hinab. Abbesses ist die tiefste Metrostation von Paris, rund 36 Meter unter der Erde, weil der Hügel über ihr so hoch ist. Wer die Treppe statt des Aufzugs nimmt, steigt etwa zweihundert Stufen, vorbei an bunten Wandmalereien, die den Montmartre zeigen. Für den Abstieg ein Vergnügen, für den Aufstieg eine Prüfung.

Jetzt zur blauen Wand. Le Mur des je t'aime, die Mauer der Ich-liebe-dichs, wurde im Jahr 2000 eingeweiht. Auf rund vierzig Quadratmetern Kacheln aus emaillierter Lava steht Ich liebe dich über dreihundertmal, in etwa 250 Sprachen. Der Musiker Frédéric Baron hatte jahrelang Nachbarn, Freunde und Fremde gebeten, ihm den Satz in ihrer Sprache aufzuschreiben, und die Kalligrafin Claire Kito hat daraus die Wand gestaltet. Such ruhig nach dem deutschen Satz... er ist irgendwo dazwischen.

Die roten Flecken zwischen den Buchstaben sind Splitter eines gebrochenen Herzens, und die Wand, so die Idee, setzt sie wieder zusammen. Gegenüber steht übrigens die Backsteinkirche Saint-Jean-de-Montmartre, eine der ersten Kirchen der Welt aus Stahlbeton. Nimm jetzt die steile Rue Ravignan nach oben, bis zu einem stillen, schrägen Platz mit einem grünen Trinkbrunnen.

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