Pont Saint-Louis & Quai d'Orléans: Die Insel, die ein Bauprojekt war

Why is it significant?

Bleib mitten auf der Brücke kurz stehen. Oft spielt hier ein Straßenmusiker, auf der Brüstung sitzen Leute mit einem Eis in der Hand, und hinter dir ragt die Rückseite von Notre-Dame auf.

Key Facts

PlacePont Saint-Louis & Quai d'Orléans: Die Insel, die ein Bauprojekt war
AddressQuai d'Orléans, 75004 Paris, France
Geo Coordinates48.85200, 2.35420
Part of WalkParis zwischen den Inseln: Île Saint-Louis, das Viertel der Domherren und die Bouquinisten der Seine
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Bleib mitten auf der Brücke kurz stehen. Oft spielt hier ein Straßenmusiker, auf der Brüstung sitzen Leute mit einem Eis in der Hand, und hinter dir ragt die Rückseite von Notre-Dame auf. Vor dir liegt die Westspitze der Île Saint-Louis: helle Steinfassaden, hohe Bäume und Uferstraßen, die einmal ganz um die Insel herumführen.

Diese Brücke ist ein echter Pechvogel. Seit dem 17. Jahrhundert haben an dieser Stelle immer wieder Brücken gestanden, aus Holz, aus Stein, aus Eisen, und mehrere wurden von Hochwasser, Eisgang oder Unfällen zerstört. Eine Vorgängerin soll 1939 ein Lastkahn gerammt haben. Die heutige, schlichte Stahlbrücke stammt von 1970 und ist nur für Fußgänger da... vielleicht ist genau das ihr Geheimnis.

Und die Insel vor dir gab es in dieser Form lange gar nicht. Bis ins 17. Jahrhundert lagen hier zwei unbebaute Inselchen, die Île Notre-Dame und die Île aux Vaches, die Kuhinsel, auf der tatsächlich Vieh weidete. 1614 schloss die Krone einen Vertrag mit dem Unternehmer Christophe Marie: Er sollte den Kanal zwischen den Inselchen zuschütten, Ufermauern hochziehen, Brücken schlagen und das Land in Parzellen verkaufen. Ein Immobilienprojekt, wie es moderner kaum sein könnte.

Es wurde ein Erfolg, wenn auch mit Pleiten, Prozessen und jahrelangen Verzögerungen. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstand ein ganzes Viertel aus einem Guss, mit geraden Straßen und vornehmen Stadtpalais für Finanziers, Richter und Höflinge. Darum wirkt die Île Saint-Louis bis heute so einheitlich. Am Quai d'Orléans rechts von dir sitzt übrigens seit dem 19. Jahrhundert die Polnische Bibliothek, gegründet von Exilanten nach dem gescheiterten Aufstand gegen den Zaren. Merk dir die Polen, sie begegnen uns noch einmal.

Geh nach der Brücke ein paar Schritte nach rechts auf den Quai d'Orléans und schau zurück: Von hier hast du einen der schönsten Blicke auf das Chorhaupt von Notre-Dame, besonders am späten Nachmittag. Dann umrunde die Inselspitze nach links, auf den Quai de Bourbon an der Nordseite. Dort hat eine Bildhauerin gelebt, deren Geschichte dir das Herz brechen wird.

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