Mémorial des Martyrs de la Déportation: Stille an der Inselspitze

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Geh langsam die schmale Treppe hinunter. Mit jeder Stufe verschwindet die Stadt: erst die Kathedrale, dann die Bäume, und am Ende bleibt nur ein kleiner Hof aus hellem Beton, der Himmel über dir und vor dir ein Gitter aus schwarzen Eisenspitzen, durch das du knapp über dem Wasser die Seine siehst.

Key Facts

PlaceMémorial des Martyrs de la Déportation: Stille an der Inselspitze
Address7 Quai de l'Archevêché, 75004 Paris, France
Geo Coordinates48.85170, 2.35240
Part of WalkParis zwischen den Inseln: Île Saint-Louis, das Viertel der Domherren und die Bouquinisten der Seine
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Geh langsam die schmale Treppe hinunter. Mit jeder Stufe verschwindet die Stadt: erst die Kathedrale, dann die Bäume, und am Ende bleibt nur ein kleiner Hof aus hellem Beton, der Himmel über dir und vor dir ein Gitter aus schwarzen Eisenspitzen, durch das du knapp über dem Wasser die Seine siehst.

Das ist das Mémorial des Martyrs de la Déportation, die Gedenkstätte für die rund zweihunderttausend Menschen, die während der deutschen Besatzung aus Frankreich in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden: Widerstandskämpfer, politische Gefangene, Jüdinnen und Juden, Kinder. Der Architekt Georges-Henri Pingusson hat den Ort so gebaut, dass du dich eingeschlossen fühlst. Die Mauern sind hoch, der Raum ist eng, und der einzige Ausblick gilt einem Wasser, das du nicht erreichen kannst.

Durch einen engen Spalt geht es hinein in die Krypta. Ein langer, dunkler Gang, und an seinen Wänden leuchten unzählige kleine Glasstäbchen, eines für jeden Deportierten. Davor liegt das Grab eines unbekannten Deportierten, und in die Wände sind die Namen der Lager eingelassen, dazu Zeilen französischer Dichter. Einer von ihnen, Robert Desnos, wurde selbst deportiert und starb im Juni 1945 in Theresienstadt, wenige Wochen nach der Befreiung.

Eingeweiht wurde die Gedenkstätte im April 1962 von Charles de Gaulle. Der Ort war mit Bedacht gewählt: an der äußersten Spitze der Insel, im Schatten von Notre-Dame, mitten im Herzen der Stadt, aus der so viele abgeholt wurden. Und ein Detail, das kaum jemand kennt: Ganz in der Nähe stand von 1864 bis 1914 die Pariser Leichenhalle, die Morgue, in der Tote aus der Seine zur Identifizierung hinter Glas ausgestellt wurden... und neugierige Pariser standen Schlange, um sie zu sehen.

Bleib hier unten, so lange du magst. Es gibt kaum einen schöneren Blick auf die Seine als durch dieses Gitter, und keinen bedrückenderen. Wenn du wieder oben bist, geh nach links zur schmalen Fußgängerbrücke, die hinüber auf die Nachbarinsel führt. Drüben wartet ein ganz anderes Paris: ruhig, vornehm und ein wenig aus der Zeit gefallen.

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