Ligsalzstraße: Hinterhöfe des Glasscherbenviertels
Why is it significant?
Lauf langsam und schau in die Toreinfahrten: Hinter vielen Fassaden öffnet sich ein zweiter, verborgener Hof, manchmal ein dritter, mit Werkstattgebäuden, Treppenhäusern und Fahrradständern. Die Straße vorne ist nur die Hälfte der Wahrheit. Die andere Hälfte liegt hinten.
Key Facts
| Place | Ligsalzstraße: Hinterhöfe des Glasscherbenviertels |
|---|---|
| Address | Ligsalzstraße, 80339 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.13650, 11.54240 |
| Part of Walk | Wiesn, Bavaria und Westend: Münchens Festwiese und das alte Arbeiterviertel |
| Generated | Generated |
Lauf langsam und schau in die Toreinfahrten: Hinter vielen Fassaden öffnet sich ein zweiter, verborgener Hof, manchmal ein dritter, mit Werkstattgebäuden, Treppenhäusern und Fahrradständern. Die Straße vorne ist nur die Hälfte der Wahrheit. Die andere Hälfte liegt hinten.
Die Ligsalzstraße trägt den Namen einer alten Münchner Patrizierfamilie, der Ligsalz, die im Mittelalter in der Altstadt zu den Reichen gehörte. Eine ironische Wahl für eine Straße, in der um 1900 vor allem Menschen wohnten, die von ihrer Hände Arbeit lebten. Eine Wohnung mit eigenem Bad war die große Ausnahme, gebadet wurde im öffentlichen Bad oder eben gar nicht. Schlosser, Schreiner, Bahnarbeiter, Brauereiknechte, Näherinnen, sie lebten oft dicht gedrängt, mehrere Kinder in einem Zimmer, und manchmal teilte man das Bett mit einem Schlafgänger, der es nur für ein paar Stunden mietete.
In den Hinterhöfen wurde nicht nur gewohnt, sondern gearbeitet. Kleine Betriebe hämmerten, sägten, lackierten, und der Lärm hallte durch die Höfe bis in die Küchen. Für die Stadtplanung des 20. Jahrhunderts war das lange ein Problem, man sprach von Sanierung und dachte dabei an Abriss. Am Ende wurde vieles erneuert statt abgerissen, Höfe wurden begrünt, Werkstätten umgebaut. Heute sind manche dieser Höfe kleine grüne Oasen, die man von der Straße aus nie vermuten würde.
Bitte respektiere dabei, dass hier Menschen wohnen: Schau gern durch ein offenes Tor, aber geh nicht ungefragt hinein. Gerade diese Zurückhaltung gehört zum Westend, das nie ein Ort für Touristen war und sich trotzdem verändert hat. Wo früher Schlafgänger lebten, wohnen heute Familien, die sich die Innenstadt nicht mehr leisten können, neben Studierenden und Kreativen.
Und jetzt riechst du vielleicht schon, wohin es weitergeht. Wenn der Wind richtig steht, weht ein süßlicher Duft von Malz durch die Straßen. Folge ihm nach Norden bis zur Landsberger Straße, wo hinter einer langen Fassade eine der ältesten Brauereien der Stadt arbeitet.