Justizpalast und Saal 253

Why is it significant?

Vor dir erhebt sich ein Palast, wie ihn sich das Kaiserreich für die Justiz wünschte: Neobarock, mit Säulen, Figuren und einer großen gläsernen Kuppel. Gebaut wurde er von 1891 bis 1897 nach Plänen von Friedrich von Thiersch.

Key Facts

PlaceJustizpalast und Saal 253
AddressPrielmayerstraße 7, 80335 München, Germany
Geo Coordinates48.14050, 11.56470
Part of WalkMünchen 1933–1945: NS-Zeit, Widerstand und die Weiße Rose
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Vor dir erhebt sich ein Palast, wie ihn sich das Kaiserreich für die Justiz wünschte: Neobarock, mit Säulen, Figuren und einer großen gläsernen Kuppel. Gebaut wurde er von 1891 bis 1897 nach Plänen von Friedrich von Thiersch. Ein Gebäude, das Würde und Gerechtigkeit ausstrahlen sollte... und genau deshalb ist das, was hier geschah, so schwer zu ertragen.

Am Morgen des 22. Februar 1943 wurden Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst in den Schwurgerichtssaal 253 geführt. Eigens aus Berlin angereist war Roland Freisler, der Präsident des Volksgerichtshofs. Er schrie, unterbrach und verhöhnte die Angeklagten. Die Verhandlung dauerte nur wenige Stunden, und das Urteil stand von Anfang an fest: Tod.

Sophie Scholl soll Freisler gesagt haben, dass viele dächten wie sie, aber sich nicht trauten, es auszusprechen. Christoph Probst war 23 und Vater von drei kleinen Kindern, das jüngste wenige Wochen alt. Seine Bitte um Gnade wegen seiner Familie wurde abgelehnt. Noch am selben Nachmittag wurden die drei im Gefängnis München-Stadelheim mit dem Fallbeil hingerichtet. Überliefert ist, dass Hans Scholl vor seinem Tod rief: Es lebe die Freiheit.

Im April 1943 folgte im selben Gebäude der zweite Prozess gegen die Weiße Rose, gegen Kurt Huber, Alexander Schmorell, Willi Graf und weitere Helfer. Auch hier sprach der Volksgerichtshof Todesurteile und lange Haftstrafen aus. Erst 1998 hob der Bundestag die Urteile des Volksgerichtshofs per Gesetz auf... mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Tod der Verurteilten.

Heute ist der Justizpalast wieder ein ganz normales Gericht. Im Haus arbeiten das bayerische Justizministerium und Gerichte, und der Saal 253 ist zugleich ein Gedenkort mit einer Ausstellung über die Prozesse gegen die Weiße Rose. Dieselben Wände, eine andere Justiz... gerade dieser Kontrast macht den Ort so eindringlich. Geh nun zurück Richtung Lenbachplatz, am Künstlerhaus vorbei, bis zur Ecke von Herzog-Max-Straße und Maxburgstraße, wo ein unscheinbarer Gedenkstein steht.

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