Gedenkstein für die Hauptsynagoge
Why is it significant?
An dieser unscheinbaren Straßenecke, zwischen Kaufhausrückseiten, Lieferzufahrten und parkenden Autos, liegt ein schwerer Stein. Man könnte ihn für ein Stück Stadtmöblierung halten. Dabei markiert er den Platz, an dem eines der prächtigsten Gotteshäuser Münchens stand: die Hauptsynagoge.
Key Facts
| Place | Gedenkstein für die Hauptsynagoge |
|---|---|
| Address | Herzog-Max-Straße / Maxburgstraße, 80333 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.14010, 11.56840 |
| Part of Walk | München 1933–1945: NS-Zeit, Widerstand und die Weiße Rose |
| Generated | Generated |
An dieser unscheinbaren Straßenecke, zwischen Kaufhausrückseiten, Lieferzufahrten und parkenden Autos, liegt ein schwerer Stein. Man könnte ihn für ein Stück Stadtmöblierung halten. Dabei markiert er den Platz, an dem eines der prächtigsten Gotteshäuser Münchens stand: die Hauptsynagoge.
Sie wurde von 1883 bis 1887 nach Plänen von Albert Schmidt gebaut, ein großer Bau im romanischen Stil mit einem hohen Turm, mitten in der Stadt, nahe Frauenkirche und Künstlerhaus. Sie war eine der größten Synagogen in Deutschland und ein Zeichen dafür, dass die jüdischen Münchnerinnen und Münchner ganz selbstverständlich dazugehörten. Ärzte, Kaufleute, Künstler, Juristen: 1933 lebten etwa neuntausend Jüdinnen und Juden in der Stadt.
Im Juni 1938 ordnete Hitler den Abriss an. Er soll sich an der Synagoge in der Nähe des Künstlerhauses gestört haben, das er gern besuchte. Die Abrissarbeiten begannen Anfang Juni, und innerhalb weniger Wochen verschwand der Bau, Stein für Stein, mitten am Tag. Passanten konnten dabei zusehen. Das geschah Monate vor der Pogromnacht... ein Vorbote, mitten in der Innenstadt und vor aller Augen.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 folgte das Pogrom. Ausgelöst wurde es in München, im Alten Rathaus, wo Goebbels vor Parteigrößen eine Hetzrede hielt. In derselben Nacht ging die orthodoxe Synagoge Ohel Jakob in der Herzog-Rudolf-Straße in Flammen auf, die Synagoge in der Reichenbachstraße wurde verwüstet, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, und Hunderte jüdische Männer wurden ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Von denen, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, wurden die meisten später deportiert und ermordet.
Der Gedenkstein an dieser Ecke wurde erst 1969 aufgestellt. Mehr als dreißig Jahre lang erinnerte also nichts an diesen Ort, und viele, die hier vorbeigehen, wissen bis heute nichts von dem Bau, der hier stand. Vielleicht bleibst du deshalb einen Moment länger. Geh dann nach Süden bis zur Fußgängerzone und dort nach links, bis zur mächtigen Renaissancefassade der Michaelskirche.