Michaelskirche und Pater Rupert Mayer

Why is it significant?

Mitten im Gewühl der Fußgängerzone, zwischen Einkaufstüten und Straßenmusikern, ragt eine helle Renaissancefassade auf, voller Nischen und Heiligenfiguren. Das ist St. Michael, die Kirche der Jesuiten, gebaut im späten 16. Jahrhundert.

Key Facts

PlaceMichaelskirche und Pater Rupert Mayer
AddressNeuhauser Straße 6, 80331 München, Germany
Geo Coordinates48.13890, 11.57040
Part of WalkMünchen 1933–1945: NS-Zeit, Widerstand und die Weiße Rose
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Mitten im Gewühl der Fußgängerzone, zwischen Einkaufstüten und Straßenmusikern, ragt eine helle Renaissancefassade auf, voller Nischen und Heiligenfiguren. Das ist St. Michael, die Kirche der Jesuiten, gebaut im späten 16. Jahrhundert. Unten in der Gruft ruhen Wittelsbacher, darunter König Ludwig II., und die meisten Besucher kommen seinetwegen.

Für unseren Weg zählt ein anderer Mann: Pater Rupert Mayer, ein Jesuit aus Stuttgart. Im Ersten Weltkrieg war er Feldgeistlicher gewesen und hatte durch eine Granate ein Bein verloren. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren war er in München einer der bekanntesten Prediger, ein Mann mit Holzbein, der Arbeitern und Armen half und den Leuten direkt ins Gewissen redete.

Früh erkannte er, wohin der Nationalsozialismus führte, und er sagte es von der Kanzel. Er protestierte gegen die Verfolgung der Kirche und gegen die Lügen der Propaganda. 1937 erhielt er Redeverbot, predigte weiter und wurde verhaftet, mehrmals. 1939 brachte man ihn ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Als sein Gesundheitszustand sich verschlechterte, fürchtete das Regime einen Märtyrer und hielt ihn bis Kriegsende im Kloster Ettal fest, isoliert von seiner Gemeinde.

Im Mai 1945 kehrte er nach München zurück, in eine zerbombte Stadt und eine zerstörte Kirche. Am 1. November 1945, an Allerheiligen, predigte er in der Kreuzkapelle von St. Michael. Mitten in der Predigt erlitt er einen Schlaganfall, blieb noch stehen, und starb kurz darauf. Man kann sich kaum ein Ende vorstellen, das besser zu ihm passt: auf der Kanzel, mitten im Satz, im Dienst an seiner Gemeinde.

Sein Grab liegt ein paar Schritte weiter, in der Unterkirche des Bürgersaals, gebaut von Giovanni Antonio Viscardi, dem Namensgeber der Gasse von vorhin. 1987 sprach Papst Johannes Paul II. ihn in München selig. Bis heute zünden dort jeden Tag Menschen Kerzen an. Geh nun weiter Richtung Marienplatz und biege vorher rechts nach Süden ab, durch die Altstadtgassen zum Sankt-Jakobs-Platz, wo ein heller Steinbau mit einem gläsernen Aufsatz steht.

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