Elisabethmarkt: Das Dorf, das Wahnmoching hieß
Why is it significant?
Zwischen Bäumen und grünen Holzbuden geht es hier ruhiger zu als am Viktualienmarkt: ein Gemüsestand, ein Metzger, ein Käseladen, ein paar Bänke, auf denen Rentner und Studentinnen nebeneinander ihren Kaffee trinken. Willkommen auf dem Elisabethmarkt, dem Dorfplatz von Schwabing-West.
Key Facts
| Place | Elisabethmarkt: Das Dorf, das Wahnmoching hieß |
|---|---|
| Address | Elisabethplatz, 80796 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.15680, 11.57440 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
Zwischen Bäumen und grünen Holzbuden geht es hier ruhiger zu als am Viktualienmarkt: ein Gemüsestand, ein Metzger, ein Käseladen, ein paar Bänke, auf denen Rentner und Studentinnen nebeneinander ihren Kaffee trinken. Willkommen auf dem Elisabethmarkt, dem Dorfplatz von Schwabing-West.
Benannt ist der Platz nach Elisabeth, der späteren Kaiserin von Österreich, die alle Welt als Sisi kennt. Sie wurde 1837 in München geboren. Der Markt selbst entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als dieses Viertel gerade erst gebaut wurde. Denn Schwabing war lange eine eigene Gemeinde vor den Toren der Stadt, eben noch ein Dorf, und kam erst 1890 zu München.
Und dann ging alles sehr schnell. Mietshäuser schossen aus den Feldern, und in die billigen Dachwohnungen und Ateliers zogen Maler, Dichter, Studenten, Revolutionäre und alle, die anders leben wollten als ihre Eltern. Eine von ihnen war Franziska zu Reventlow, eine Gräfin aus Husum, die ihre adlige Familie hinter sich gelassen hatte. Sie malte, übersetzte, schrieb, verliebte sich oft und zog ihren Sohn allein groß, ohne den Vater zu nennen... ein Skandal, den sie mit einem Achselzucken trug. Ihre Tagebücher zeigen, wie hart dieses Leben war: ständiger Geldmangel, Krankheiten, Gläubiger vor der Tür, und trotzdem eine trotzige Lust an der Freiheit.
Reventlow hat Schwabing auch seinen besten Spitznamen gegeben. In ihrem Roman Herrn Dames Aufzeichnungen von 1913 heißt das Viertel Wahnmoching, und sie macht sich darin wunderbar lustig über die Zirkel und Propheten, die hier ernsthaft glaubten, eine neue Welt zu erfinden. Wer heute auf diesem Markt einen Cappuccino trinkt und über Weltpolitik diskutiert, steht in einer langen Tradition.
Reventlow starb 1918 im Tessin, nach einem Fahrradunfall, mit gerade einmal 47 Jahren. Mit dem Ersten Weltkrieg war ihre Welt ohnehin zu Ende gegangen: Viele der Ateliers standen leer, viele der jungen Männer waren tot. Geh jetzt vom Markt aus nach Osten und dann in die Ainmillerstraße. Dort wohnte ein Paar, das die Kunst des 20. Jahrhunderts verändert hat.