Alter Simpl: Die Kneipe der Satiriker
Why is it significant?
Du stehst in der Türkenstraße vor einer Kneipe, die von außen fast bescheiden wirkt: dunkles Holz, kleine Fenster, ein Name über der Tür, der in München noch immer nach Aufruhr klingt. Alter Simpl. Wer hier hineingeht, betritt einen der Geburtsorte der Schwabinger Bohème.
Key Facts
| Place | Alter Simpl: Die Kneipe der Satiriker |
|---|---|
| Address | Türkenstraße 57, 80799 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.15090, 11.57620 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
Du stehst in der Türkenstraße vor einer Kneipe, die von außen fast bescheiden wirkt: dunkles Holz, kleine Fenster, ein Name über der Tür, der in München noch immer nach Aufruhr klingt. Alter Simpl. Wer hier hineingeht, betritt einen der Geburtsorte der Schwabinger Bohème.
Der Name kommt von einer Zeitschrift. 1896 gründete der Verleger Albert Langen in München den Simplicissimus, ein Satireblatt mit einer roten Bulldogge als Wappentier, gezeichnet von Thomas Theodor Heine. Das Blatt verspottete den Kaiser, das Militär, die Bürokraten und die Frömmler, und es tat das so gut, dass seine Autoren regelmäßig vor Gericht standen. Ludwig Thoma, der bayerische Schriftsteller, musste 1906 wegen eines Spottgedichts sechs Wochen ins Gefängnis Stadelheim.
1903 eröffnete Kathi Kobus an dieser Stelle eine Künstlerkneipe und lieh sich dafür kurzerhand den Namen der Zeitschrift. Sie war eine Wirtin mit Gespür für Talent und für Werbung: Dichter, Maler und Schauspieler kamen, tranken, stritten und trugen ihre Verse vor. Ab 1909 stand Joachim Ringelnatz fast jeden Abend als eine Art Hausdichter auf der kleinen Bühne, für Essen, Getränke und ein bescheidenes Honorar. Auch Erich Mühsam, der Anarchist mit dem wilden Bart, gehörte zu den Stammgästen.
Romantisch war dieses Leben nur von weitem. Viele der Gäste lebten von der Hand in den Mund, mit Schulden beim Wirt und Ärger mit der Polizei. Und die Geschichte ging für manche bitter aus: Erich Mühsam wurde 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet, und Ringelnatz erhielt von den Nationalsozialisten Auftrittsverbot und starb im selben Jahr verarmt in Berlin.
Wenn du später einmal abends herkommst, setz dich an einen der alten Tische und stell dir vor, wie an der Wand gegenüber ein junger Dichter nervös sein erstes Gedicht vorliest, während Kathi Kobus schon die Rechnung im Kopf hat. Viel hat sich an diesem Gefühl nicht geändert. Jetzt geh die Türkenstraße ein Stück nach Norden und biege rechts in die Akademiestraße. Rechts vorne leuchtet das Siegestor, doch unser Ziel ist der lange Palast davor.