Akademie der Bildenden Künste: Die Schule der Rebellen
Why is it significant?
Vor dir zieht sich ein langer, heller Palast hin, mit Säulen und einer breiten Freitreppe, als hätte jemand ein Stück Rom an den Rand von Schwabing gestellt.
Key Facts
| Place | Akademie der Bildenden Künste: Die Schule der Rebellen |
|---|---|
| Address | Akademiestraße 2, 80799 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.15310, 11.58000 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
Vor dir zieht sich ein langer, heller Palast hin, mit Säulen und einer breiten Freitreppe, als hätte jemand ein Stück Rom an den Rand von Schwabing gestellt. Das ist die Akademie der Bildenden Künste, und ein paar Schritte südöstlich siehst du das Siegestor, hinter dem die Leopoldstraße und damit Schwabing beginnt.
Gegründet wurde die Akademie 1808, im jungen Königreich Bayern, das sich als Kunstnation erfinden wollte. Das Gebäude kam später: Gottfried von Neureuther baute es von 1876 bis 1886. Um 1900 war München neben Paris die große Kunststadt Europas, und junge Leute aus Russland, Amerika, Skandinavien und dem Balkan kamen hierher, um Maler zu werden. Mit ihnen kamen Ateliers, billige Zimmer, Modelle, Kneipen... und damit die Bohème. Schwabing gleich hinter der Akademie war für diese jungen Leute ideal: nah an den Lehrern und weit genug weg von den strengen Vermietern der Altstadt.
Schau dir die Namen an, die durch diese Türen gingen. Wassily Kandinsky und Paul Klee saßen um 1900 in der Malklasse von Franz von Stuck, dem gefeierten Malerfürsten der Stadt. Franz Marc studierte hier, und einige Jahre später auch der junge Giorgio de Chirico aus Griechenland, der in München die rätselhaften Bilder Arnold Böcklins entdeckte. Ausgerechnet an dieser ehrwürdigen Akademie lernten die Leute, die später die Malerei auf den Kopf stellen sollten.
Eine Gruppe allerdings blieb lange draußen: die Frauen. Sie durften erst nach dem Ersten Weltkrieg regulär an der Akademie studieren. Malerinnen wie Gabriele Münter mussten in private Malschulen ausweichen, und genau in so einer Schule, die Kandinsky Anfang des Jahrhunderts leitete, lernten sich die beiden kennen. Was daraus wurde, siehst du ein paar Straßen weiter.
Und noch ein Blick zum Siegestor: Auf einer Seite trägt es seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg die Inschrift Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend. Drei Zeilen, die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts in einem Satz. Jetzt geh durch die ruhigen Seitenstraßen nach Nordwesten, über die Georgenstraße hinweg, bis zu einem Platz mit grünen Marktbuden.