Ainmillerstraße 36: Kandinsky, Münter und der Blaue Reiter
Why is it significant?
Auf den ersten Blick ist die Ainmillerstraße eine ganz normale Schwabinger Wohnstraße: Jugendstilfassaden, Erker, Balkone mit Geranien, Fahrräder an den Zäunen. Aber geh langsam, denn kaum eine Straße in Europa hat in so wenigen Hausnummern so viel Kunstgeschichte versammelt.
Key Facts
| Place | Ainmillerstraße 36: Kandinsky, Münter und der Blaue Reiter |
|---|---|
| Address | Ainmillerstraße 36, 80801 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.15910, 11.57840 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
Auf den ersten Blick ist die Ainmillerstraße eine ganz normale Schwabinger Wohnstraße: Jugendstilfassaden, Erker, Balkone mit Geranien, Fahrräder an den Zäunen. Aber geh langsam, denn kaum eine Straße in Europa hat in so wenigen Hausnummern so viel Kunstgeschichte versammelt.
In der Nummer 36 wohnten ab 1908 Wassily Kandinsky und Gabriele Münter. Er war ein russischer Jurist, der mit dreißig beschlossen hatte, Maler zu werden, sie eine Malerin aus Berlin, die in seiner Malschule gelernt hatte. Verheiratet waren sie nie, was im München jener Zeit schon für Gerede reichte. Kandinsky malte in diesen Jahren immer freier, die Gegenstände lösten sich auf, bis vor allem Farbe und Form übrig blieben. Ab 1909 hatten sie zusätzlich ein Haus in Murnau am Staffelsee, doch ihr Münchner Leben spielte sich hier in Schwabing ab.
In dieser Wohnung und bei Besuchen auf dem Land entstand gemeinsam mit Franz Marc die Idee für den Blauen Reiter. Im Dezember 1911 zeigten sie ihre erste Ausstellung in München, und 1912 erschien der Almanach Der Blaue Reiter, ein Buch voller Bilder, Essays und sogar Musik, mit Beiträgen von Arnold Schönberg. Woher der Name kam? Kandinsky erzählte später, sie hätten beide Blau geliebt, Marc die Pferde und er die Reiter... so einfach kann ein Stück Kunstgeschichte beginnen.
Und die Nachbarschaft war nicht weniger erstaunlich. In derselben Straße wohnte Paul Klee mit seiner Frau Lily, die mit Klavierstunden das Geld verdiente, während er noch kaum etwas verkaufte. Und gegen Ende des Ersten Weltkriegs zog auch der Dichter Rainer Maria Rilke in die Ainmillerstraße. Stell dir vor, wem man hier beim Brötchenholen begegnen konnte.
Der Krieg beendete alles. Kandinsky musste 1914 als Russe Deutschland verlassen, Franz Marc fiel 1916 bei Verdun. Gabriele Münter versteckte zahlreiche Werke in ihrem Haus in Murnau und rettete sie so durch die Zeit des Nationalsozialismus, als diese Kunst als entartet galt. 1957 schenkte sie ihre Sammlung der Stadt München. Geh jetzt die Ainmillerstraße nach Osten bis zur Leopoldstraße und dort rechts in die Franz-Joseph-Straße.