Kaiserplatz und St. Ursula: Ein Revolutionär unter falschem Namen

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Über den Bäumen des Kaiserplatzes erhebt sich eine Kirche, die so gar nicht bayerisch aussieht: eine Kuppel, ein schlanker Turm, Arkaden, helle Steine, als wäre ein Stück Toskana nach Schwabing gewandert. Das ist St. Ursula, und die Schwabinger nennen sie gern ihren Dom.

Key Facts

PlaceKaiserplatz und St. Ursula: Ein Revolutionär unter falschem Namen
AddressKaiserplatz 1, 80803 München, Germany
Geo Coordinates48.16150, 11.58040
Part of WalkSchwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten
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Über den Bäumen des Kaiserplatzes erhebt sich eine Kirche, die so gar nicht bayerisch aussieht: eine Kuppel, ein schlanker Turm, Arkaden, helle Steine, als wäre ein Stück Toskana nach Schwabing gewandert. Das ist St. Ursula, und die Schwabinger nennen sie gern ihren Dom.

Gebaut wurde sie von 1894 bis 1897 nach Plänen von August Thiersch, im Stil der italienischen Renaissance. Das war kein Zufall: Schwabing war gerade erst ein Teil Münchens geworden, die Einwohnerzahl wuchs rasant, und das neue Viertel wollte eine Kirche, die nach Großstadt aussah und nicht nach Dorf. Der Platz drumherum wurde zum Mittelpunkt eines Viertels voller Beamter, Lehrer, Offiziere... und Untermieter, von denen niemand so genau wusste, was sie eigentlich taten.

Einer davon war ein Russe mit Glatze und Spitzbart, der unter falschem Namen lebte. Von 1900 bis 1902 wohnte Wladimir Iljitsch Uljanow in Schwabing, der Mann, den die Welt bald als Lenin kennen sollte. Er schrieb Artikel für die Untergrundzeitung Iskra, die zeitweise in München gedruckt und nach Russland geschmuggelt wurde. Ihr Name heißt auf Deutsch der Funke, und ihr Motto versprach, dass aus dem Funken eine Flamme werden würde. 1901 kam seine Frau Nadeschda Krupskaja nach und arbeitete als Sekretärin der Redaktion mit. Und hier entstand seine Schrift Was tun?, die 1902 erschien und zur Blaupause einer straff organisierten Revolutionspartei wurde.

Stell dir das vor: Während Maler um die Ecke über Farben stritten und Dichter in Kneipen ihre Verse vortrugen, plante ein paar Straßen weiter ein unauffälliger Mann mit Aktentasche die russische Revolution. Schwabing war damals ein Ort, an dem alles nebeneinander existierte, der Traum von der neuen Kunst und der Traum vom neuen Staat.

Was aus Lenins Plänen wurde, weiß man. Die Bohème träumte von Freiheit, und manche ihrer Gäste schufen Systeme, die das Gegenteil brachten. Auch das gehört zur Geschichte dieses Viertels. Geh jetzt die Kaiserstraße nach Osten bis zur Leopoldstraße und dann ein Stück nach links zur Münchner Freiheit.

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