Museum Brandhorst und Türkentor
Why is it significant?
Tritt nah an die Fassade heran und streich mit dem Blick darüber: Sie besteht aus Tausenden senkrechter Keramikstäbe, glasiert in dreiundzwanzig Farben.
Key Facts
| Place | Museum Brandhorst und Türkentor |
|---|---|
| Address | Theresienstraße 35a, 80333 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.14810, 11.57410 |
| Part of Walk | Isar-Athen: Königsplatz, Pinakotheken und das Kunstareal in München |
| Generated | Generated |
Tritt nah an die Fassade heran und streich mit dem Blick darüber: Sie besteht aus Tausenden senkrechter Keramikstäbe, glasiert in dreiundzwanzig Farben. Aus der Ferne verschwimmen sie zu einem bunten Schimmer, aus der Nähe sind sie einzelne Striche, wie ein riesiges Gemälde, das sich beim Gehen verändert. Geh ein paar Schritte hin und her und beobachte, wie die Farbe mit dir wandert.
Das Museum Brandhorst eröffnete 2009, entworfen vom Berliner Büro Sauerbruch Hutton. Rund sechsunddreißigtausend Stäbe tragen die Fassade, und sie haben einen praktischen Zweck: Sie schlucken den Lärm der Straße. Dahinter steckt die Sammlung von Udo und Anette Brandhorst, die über Jahrzehnte Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zusammentrugen, und die sie dem Freistaat anvertrauten.
Zwei Namen prägen das Haus: Andy Warhol und Cy Twombly. Für Twomblys Lepanto-Zyklus, zwölf große Gemälde über die Seeschlacht von 1571, gibt es einen eigenen Saal. Galeeren als Farbexplosionen, Feuer und Wasser in Rot, Gelb und Blau... und man steht mittendrin wie auf einem Schiff, das gerade brennt. Warhol dagegen ist mit Suppendosen, Stars und Wiederholungen vertreten, kühl und laut zugleich. Zwei Temperamente unter einem Dach, ungefähr so verschieden wie Weißwurst und Sushi.
Gleich daneben steht ein Überbleibsel, das kaum jemand beachtet: das Türkentor. Es ist das letzte Stück der Türkenkaserne aus dem 19. Jahrhundert, die im Krieg zerstört wurde. Heute steht im Inneren nur ein einziges Kunstwerk: eine polierte Kugel aus rotem Granit von Walter De Maria, über zweieinhalb Meter im Durchmesser. In der stillen Halle wirkt sie wie ein gelandeter Planet, und in ihrer glatten Oberfläche spiegelt sich das alte Gemäuer.
Und warum heißt hier alles Türken? Der Überlieferung nach mussten um 1700 türkische Kriegsgefangene für Kurfürst Max Emanuel einen Kanal graben, den Türkengraben. Der Graben ist längst verschwunden, aber die Türkenstraße erinnert noch an ihn. Geh jetzt ein paar Schritte nach Südwesten, zu dem großen hellen Bau aus Sichtbeton und Glas.