Franz-Joseph-Straße: Thomas Mann wird Familienvater

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Hier, kurz hinter der Leopoldstraße, wird es plötzlich bürgerlich: hohe Mietshäuser mit Stuck, schwere Haustüren, Fenster mit Vorhängen. In dieser Straße begann Thomas Mann ein Leben, das sich mit der Schwabinger Bohème nur schwer vertrug, das Leben eines Familienvaters.

Key Facts

PlaceFranz-Joseph-Straße: Thomas Mann wird Familienvater
AddressFranz-Joseph-Straße 2, 80801 München, Germany
Geo Coordinates48.15750, 11.58390
Part of WalkSchwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten
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Hier, kurz hinter der Leopoldstraße, wird es plötzlich bürgerlich: hohe Mietshäuser mit Stuck, schwere Haustüren, Fenster mit Vorhängen. In dieser Straße begann Thomas Mann ein Leben, das sich mit der Schwabinger Bohème nur schwer vertrug, das Leben eines Familienvaters.

Thomas Mann kam als junger Mann aus Lübeck nach München, nachdem seine Mutter mit den jüngeren Geschwistern hierher gezogen war. In Münchner Untermietzimmern schrieb er an den Buddenbrooks, die 1901 erschienen und ihn mit Mitte zwanzig berühmt machten. Eine seiner Münchner Erzählungen, Gladius Dei, beginnt mit zwei Wörtern, die jeder Münchner kennt: München leuchtete.

Dann verliebte er sich in Katia Pringsheim, die Tochter einer der reichsten Familien der Stadt, eine der ersten Frauen, die in München Mathematik und Physik studierten. Ihre Eltern, Alfred und Hedwig Pringsheim, führten in der Maxvorstadt ein prächtiges Palais voller Kunst und Musik, das die Nationalsozialisten 1933 abreißen ließen, um Platz für ihre Parteibauten zu schaffen. Im Februar 1905 heirateten sie, und in der Franz-Joseph-Straße bezogen sie ihre erste gemeinsame Wohnung. In diese Wohnung kamen die ersten Kinder: Erika, geboren noch 1905, und Klaus im Jahr darauf. Aus dem Dichter am Rand der Bohème wurde ein Herr mit Spazierstock und festen Arbeitszeiten, der jeden Vormittag am Schreibtisch saß, egal was draußen passierte.

Die Bohème sah das mit Spott. Für die Leute im Simpl war Thomas Mann ein Bürger, der über Künstler schrieb, statt einer zu sein. Er selbst hat diesen Gegensatz zwischen Bürger und Künstler sein Leben lang zum Thema gemacht, und vielleicht konnte er ihn nur deshalb so genau beschreiben, weil er auf beiden Seiten stand.

Die Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Erika und Klaus, die Kinder aus dieser bürgerlichen Wohnung, gründeten im Januar 1933 in München das Kabarett Die Pfeffermühle, das sich offen gegen die Nationalsozialisten stellte. Wenige Monate später waren sie im Exil, und auch der Vater kehrte von einer Reise nicht mehr nach München zurück. Geh jetzt nach Norden, über die Kaiserstraße bis zum Kaiserplatz mit seiner großen Kuppelkirche.

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