Plaza de Lavapiés & Teatro Valle-Inclán: Der Bohemien mit dem einen Arm
Why is it significant?
Du bist unten angekommen, auf der Plaza de Lavapiés, im Herzen des vielleicht buntesten Viertels von Madrid. Stimmen in Dutzenden Sprachen, Gerüche aus aller Welt, Kinder, Hunde, alte Männer auf Bänken, und an einer Seite ein moderner, kantiger Theaterbau: das Teatro Valle-Inclán.
Key Facts
| Place | Plaza de Lavapiés & Teatro Valle-Inclán: Der Bohemien mit dem einen Arm |
|---|---|
| Address | Plaza de Lavapiés, 28012 Madrid, Spain |
| Geo Coordinates | 40.40800, -3.70030 |
| Part of Walk | Lope, Cervantes und der Zerrspiegel: Madrids Literatenviertel rund um die Calle de las Huertas |
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Du bist unten angekommen, auf der Plaza de Lavapiés, im Herzen des vielleicht buntesten Viertels von Madrid. Stimmen in Dutzenden Sprachen, Gerüche aus aller Welt, Kinder, Hunde, alte Männer auf Bänken, und an einer Seite ein moderner, kantiger Theaterbau: das Teatro Valle-Inclán.
Das Theater wurde 2006 eröffnet und ist eine Bühne des Centro Dramático Nacional, des staatlichen Theaters für spanisches Gegenwartsdrama. Benannt ist es nach Ramón del Valle-Inclán, dem Mann, der den Zerrspiegeln im Callejón del Gato ihren Ruhm verschaffte. Und es passt hierher, denn Valle-Inclán war der Dichter der Madrider Armut, der Hinterhöfe, der Cafés und der langen Nächte.
Valle-Inclán war eine wandelnde Legende: ein Galicier mit gewaltigem Bart und runder Brille, der durch die Cafés zog und Geschichten über sich selbst erfand. Seinen linken Arm verlor er 1899 nach einem Streit in einem Café, bei dem ihm ein Manschettenknopf das Handgelenk verletzte. Die Wunde entzündete sich, der Arm musste amputiert werden. Er selbst erzählte später, je nach Laune, ganz andere und viel abenteuerlichere Versionen. Er stritt mit Kritikern, Verlegern und Politikern und lebte trotz seines Ruhms oft am Rand der Armut.
Die Figur des blinden Max Estrella aus Luces de bohemia hat ein reales Vorbild: Alejandro Sawa, einen Dichter und Bohemien, der 1909 blind und verarmt in Madrid starb. Valle-Inclán machte aus seinem Freund ein Denkmal für alle Künstler, die diese Stadt gefeiert und dann vergessen hat. Lavapiés selbst, lange ein Viertel der Handwerker, Tagelöhner und Zugewanderten, war genau die Welt, in der solche Geschichten spielten.
Damit schließt sich der Kreis dieses Spaziergangs: von Lope und Cervantes, die um 1600 ein paar Straßen weiter um Ruhm und Brot kämpften, bis zu den Bohemiens, die drei Jahrhunderte später dasselbe taten. Setz dich auf eine Bank, bestell dir etwas zu trinken und lass das Gehörte nachklingen... die Geschichten des Viertels der Buchstaben enden hier nicht, sie werden nur ein bisschen leiser.