Plaza de Tirso de Molina: Der Mönch, der Don Juan erfand

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Zwischen Blumenständen, Bäumen und dem Eingang zur Metro steht auf einem hohen Sockel ein Mönch im Ordensgewand. Er wirkt fromm, ernst, ein bisschen streng... und doch hat ausgerechnet dieser Mann die berühmteste Verführerfigur der Weltliteratur erfunden. Tirso de Molina war ein Künstlername.

Key Facts

PlacePlaza de Tirso de Molina: Der Mönch, der Don Juan erfand
AddressPlaza de Tirso de Molina, 28012 Madrid, Spain
Geo Coordinates40.41230, -3.70400
Part of WalkLope, Cervantes und der Zerrspiegel: Madrids Literatenviertel rund um die Calle de las Huertas
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Zwischen Blumenständen, Bäumen und dem Eingang zur Metro steht auf einem hohen Sockel ein Mönch im Ordensgewand. Er wirkt fromm, ernst, ein bisschen streng... und doch hat ausgerechnet dieser Mann die berühmteste Verführerfigur der Weltliteratur erfunden.

Tirso de Molina war ein Künstlername. Eigentlich hieß er Gabriel Téllez, und er war Mönch im Mercedarierorden, einem Orden, der wie die Trinitarier christliche Gefangene freikaufte. Genau an diesem Platz stand das große Kloster der Mercedarier von Madrid, in dem er zeitweise lebte. Neben seinen geistlichen Pflichten schrieb er Dutzende Theaterstücke, voller Witz, Intrigen und erstaunlich selbstbewusster Frauenfiguren. Nicht allen gefiel das: 1625 empfahl eine königliche Reformkommission sogar, ihn wegen seiner allzu weltlichen Komödien aus Madrid zu entfernen.

Sein berühmtestes Stück ist El burlador de Sevilla, der Verführer von Sevilla, erschienen um 1630 und meist ihm zugeschrieben. Darin tritt zum ersten Mal Don Juan auf, der Frauen betört und betrügt, bis ihn am Ende ein steinerner Gast in die Hölle zieht. Von hier aus begann Don Juan seine Reise durch Europa, über Molière bis nach Prag, wo 1787 Mozarts Don Giovanni uraufgeführt wurde. Und E.T.A. Hoffmann schrieb 1813 eine Erzählung über einen Abend mit dieser Oper.

Das Kloster selbst überlebte das 19. Jahrhundert nicht. Mit der Enteignung der Kirchengüter in den 1830er Jahren wurde es abgerissen, und auf dem freien Gelände entstand ein Platz. Er hieß zunächst Plaza del Progreso, Platz des Fortschritts, und bekam ein Denkmal für Juan Álvarez Mendizábal, ausgerechnet den Minister, dessen Gesetze die Klöster enteignet hatten. Nach dem Bürgerkrieg verschwand Mendizábal vom Sockel, und der Platz wurde nach dem Mönch benannt, der hier einst gelebt hatte.

So erzählt dieser unscheinbare Platz in wenigen Sätzen ein ganzes Stück spanischer Geschichte: Kloster, Revolution, Gegenrevolution, Blumenmarkt. Kauf dir ruhig ein paar Nelken, Tirso hätte nichts dagegen. Folge dann der Calle de Mesón de Paredes bergab nach Süden, hinein ins Viertel Lavapiés, bis zu einem Platz, an dem ein Theater den Namen eines bärtigen Dichters trägt.

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