Museu do Teatro Romano: Neros Bühne über dem Tejo
Why is it significant?
Hinter einem Gitter und unter einem schützenden Dach siehst du halbrunde Steinstufen, ein paar Säulenstümpfe und Bruchstücke von Gesimsen, eingezwängt zwischen ganz gewöhnlichen Wohnhäusern. Oben trocknet Wäsche, unten liegt die Antike. Genau so sieht Lissabon aus, wenn man es aufschneidet.
Key Facts
| Place | Museu do Teatro Romano: Neros Bühne über dem Tejo |
|---|---|
| Address | Rua de São Mamede 3A, 1100-532 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.71060, -9.13240 |
| Part of Walk | Lissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen |
| Generated | Generated |
Hinter einem Gitter und unter einem schützenden Dach siehst du halbrunde Steinstufen, ein paar Säulenstümpfe und Bruchstücke von Gesimsen, eingezwängt zwischen ganz gewöhnlichen Wohnhäusern. Oben trocknet Wäsche, unten liegt die Antike. Genau so sieht Lissabon aus, wenn man es aufschneidet.
Das hier war einmal das Theater von Olisipo, wie die Römer die Stadt nannten. Eine alte Legende behauptet, der Name gehe auf Odysseus zurück, der auf seinen Irrfahrten hier eine Stadt gegründet haben soll. Hübsche Geschichte, wahrscheinlich ist der Name aber viel älter und vorrömisch. Sicher ist: Unter Augustus wurde Olisipo eine Stadt römischer Bürger, mit dem stolzen Beinamen Felicitas Julia, und so eine Stadt brauchte ein Theater. Olisipo lebte vom Fluss: von Fisch und Salz und vom Handel mit dem ganzen Mittelmeer.
Gebaut wurde es in den Jahrzehnten um Christi Geburt, mit Blick über den Fluss. Im Jahr 57 ließ ein wohlhabender Bürger namens Gaius Heius Primus die Bühne prächtig erneuern und widmete sie, das steht noch heute in einer Inschrift, dem damals jungen Kaiser Nero. Stell dir das vor: Hier am Hang saßen Menschen in Tuniken, sahen Komödien und Pantomimen, und unter ihnen glitzerte der Tejo.
Dann verschwand das Theater für Jahrhunderte unter Schutt und neuen Häusern. Ausgerechnet das Erdbeben von 1755 brachte es zurück: Beim Wiederaufbau stießen Arbeiter 1798 auf die Steine, ein italienischer Architekt namens Francesco Fabri zeichnete alles sorgfältig ab... und dann wurde es wieder zugeschüttet, weil man Platz für Häuser brauchte. Erst ab den 1960er Jahren begann man, das Theater ernsthaft auszugraben. Im Museum daneben liegen heute die Fundstücke: Säulenreste, Inschriften, Scherben aus dem Alltag einer römischen Provinzstadt.
Bis heute ist nur ein Teil freigelegt. Der Rest liegt vermutlich noch unter den Häusern um dich herum, unter Küchen und Schlafzimmern, deren Bewohner jeden Abend über einem römischen Zuschauerraum einschlafen. Geh jetzt weiter bergauf nach Osten, bis sich vor dir plötzlich der Himmel öffnet und du über die Dächer der Alfama bis zum Fluss schauen kannst.