Igreja de São Miguel und die Judiaria: Sardinen, Basilikum und ein vergessenes Viertel

Why is it significant?

Auf diesem kleinen, abschüssigen Platz steht die helle Fassade der Igreja de São Miguel, ringsum Häuser mit Kachelfassaden und Balkonen, an denen Vogelkäfige und Wäsche hängen.

Key Facts

PlaceIgreja de São Miguel und die Judiaria: Sardinen, Basilikum und ein vergessenes Viertel
AddressLargo de São Miguel, 1100 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.71110, -9.12940
Part of WalkLissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen
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Auf diesem kleinen, abschüssigen Platz steht die helle Fassade der Igreja de São Miguel, ringsum Häuser mit Kachelfassaden und Balkonen, an denen Vogelkäfige und Wäsche hängen. Wenn die Kirchentür offen ist, wirf einen Blick hinein: Drinnen schimmert vergoldete Holzschnitzerei, die Talha Dourada, auf die Portugals Barock so stolz war.

Die Kirche des Erzengels Michael gehört zu den ältesten Pfarreien der Alfama und reicht zurück bis in die Zeit kurz nach der christlichen Eroberung. Das Erdbeben von 1755 beschädigte sie schwer, und sie wurde danach wiederaufgebaut. Für die Leute hier ist sie aber vor allem eins: der Mittelpunkt ihres Festes.

Denn im Juni verwandelt sich dieser Platz. Zu den Festas de Santo António hängen Girlanden über den Gassen, auf jedem Treppenabsatz glüht ein Grill, und die ganze Alfama riecht nach Sardinen, die man auf einer Scheibe Brot isst. Man schenkt sich Manjericos, kleine Töpfe mit Basilikum, in denen eine Papiernelke steckt und ein kurzer Vers, meistens über die Liebe. Wer daran riechen will, streicht mit der Hand darüber und riecht an der Hand... nie mit der Nase direkt an die Pflanze.

Nur wenige Schritte von hier verläuft die Rua da Judiaria, die Straße des jüdischen Viertels. Im Mittelalter lebten hier jüdische Familien, Kaufleute, Ärzte, Handwerker. Dann, 1496, unterzeichnete König Manuel I. das Dekret zur Vertreibung der Juden, und im Jahr darauf wurden die meisten, die geblieben waren, zwangsgetauft. Im April 1506 kam es in Lissabon zu einem Massaker, bei dem in drei Tagen mindestens zweitausend sogenannte Neuchristen ermordet wurden. Später folgte die Inquisition.

Von der Judiaria der Alfama ist kaum mehr geblieben als ein Straßenname. Und doch ist es gut, dass es ihn noch gibt. Er erinnert daran, dass diese Gassen einmal mehr Sprachen und Gebete kannten als heute. Geh jetzt hinunter Richtung Fluss, durch die Rua de São Pedro, die lebendigste Straße des Viertels, bis zu einem großen Platz mit einem alten Brunnen. Dort wartet die Musik, die Lissabon zum Weinen bringt.

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