Casa dos Bicos: Das Haus der steinernen Spitzen

Why is it significant?

Vor dir steht eine Fassade, die aussieht, als hätte jemand ein ganzes Haus mit steinernen Pyramiden gespickt. Hunderte kleine Spitzen, alle gleich geschliffen, fangen das Licht vom Fluss ein, und je nach Sonnenstand wirft jede von ihnen ihren eigenen kleinen Schatten.

Key Facts

PlaceCasa dos Bicos: Das Haus der steinernen Spitzen
AddressRua dos Bacalhoeiros 10, 1100-135 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.70890, -9.13260
Part of WalkLissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen
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Vor dir steht eine Fassade, die aussieht, als hätte jemand ein ganzes Haus mit steinernen Pyramiden gespickt. Hunderte kleine Spitzen, alle gleich geschliffen, fangen das Licht vom Fluss ein, und je nach Sonnenstand wirft jede von ihnen ihren eigenen kleinen Schatten. Die Lissabonner nennen das Gebäude schlicht Casa dos Bicos, das Haus der Spitzen.

Gebaut wurde es 1523 von Brás de Albuquerque, dem Sohn von Afonso de Albuquerque, jenem Vizekönig, der für Portugal Goa und Malakka erobert hatte. Der Sohn hatte Italien bereist und dort Paläste mit Diamantquadern gesehen, und genau so etwas wollte er auch: ein Haus, das schon von der Straße aus verkündet, dass hier Geld aus Indien wohnt. Damals stand es fast direkt am Wasser, mitten im Gewimmel der Kais, wo die Schiffe ihre Ladung löschten.

Am 1. November 1755 kam das große Erdbeben, und mit ihm stürzten die beiden oberen Stockwerke ein. Mehr als zweihundert Jahre lang war die Casa dos Bicos nur ein gestutzter Rest, unten Lagerhaus, oben nichts. Erst Anfang der 1980er Jahre wurden die fehlenden Etagen nach alten Stadtansichten wieder aufgebaut. Was du oben siehst, ist also eine Rekonstruktion... unten aber steckt das Original.

Und noch tiefer steckt noch viel mehr. Bei Ausgrabungen im Erdgeschoss fanden Archäologen römische Becken, in denen vor fast zweitausend Jahren Fisch eingesalzen wurde, für die berühmte Würzsoße Garum, dazu Reste der alten maurischen Stadtmauer. Ein Renaissancepalast auf einer Stadtmauer auf einer römischen Fischfabrik... das ist Lissabon, gestapelt in einem einzigen Keller.

Seit 2012 gehört das Haus der Stiftung von José Saramago, dem bisher einzigen Literaturnobelpreisträger Portugals. Schau auf den Olivenbaum vor der Tür. Er stammt aus Azinhaga, Saramagos Heimatdorf am Tejo, und unter ihm liegt seit 2011 seine Asche. Ein Schriftsteller, der sein Leben lang mit Kirche und Staat gestritten hat, ruht unter einem Baum vom Dorfrand... ganz ohne Grabstein. Geh jetzt die Straße am Fluss entlang nach Osten, Richtung Rua Cais de Santarém, bis du an eine lange Mauer mit alten Wasserrohren kommst.

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