Sé de Lisboa und Santo António: Festung Gottes, Heimat eines Heiligen
Why is it significant?
Stell dich auf den kleinen Platz vor der Kathedrale und schau auf die zwei wuchtigen Türme mit ihren Zinnen. Sieht eher aus wie eine Burg als wie eine Kirche, oder?
Key Facts
| Place | Sé de Lisboa und Santo António: Festung Gottes, Heimat eines Heiligen |
|---|---|
| Address | Largo da Sé 1, 1100-585 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.70980, -9.13340 |
| Part of Walk | Lissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen |
| Generated | Generated |
Stell dich auf den kleinen Platz vor der Kathedrale und schau auf die zwei wuchtigen Türme mit ihren Zinnen. Sieht eher aus wie eine Burg als wie eine Kirche, oder? Dazwischen sitzt eine große Fensterrose, und vielleicht ruckelt gerade eine gelbe Straßenbahn vorbei, so knapp, dass man meint, sie würde gleich die Treppe streifen.
Diese Festungsform hat ihren Grund. Die Sé wurde kurz nach 1147 begonnen, gleich nachdem christliche Truppen Lissabon von den Mauren erobert hatten, und sie entstand, so die Überlieferung, an der Stelle der großen Moschee. Ihr erster Bischof war ein Engländer, Gilbert von Hastings, einer der Kreuzfahrer, die bei der Eroberung mitgekämpft hatten. Eine Kirche an der Grenze zweier Welten musste sich auch verteidigen können.
Im Kreuzgang hinter dem Chor graben Archäologen seit Jahrzehnten, und was sie fanden, ist Stadtgeschichte im Querschnitt: eine römische Straße, Mauern aus maurischer Zeit, Reste von Häusern aus den Jahrhunderten, in denen hier Arabisch gesprochen wurde. Die Kathedrale selbst hat die Erdbeben von 1344 und 1755 überstanden, verwundet und umgebaut, aber nicht besiegt.
Und jetzt dreh dich um. Die kleine Kirche schräg gegenüber ist Santo António, gebaut über dem Haus, in dem um 1195 ein Junge namens Fernando zur Welt kam. Die Welt kennt ihn als Antonius von Padua, weil er in Italien starb. Für Lissabon aber ist er Santo António de Lisboa, und getauft wurde er, so heißt es, hier in der Sé. In der Krypta der kleinen Kirche zeigt man den Raum, der als sein Geburtszimmer gilt.
Jedes Jahr im Juni wird Antonius zum heimlichen Bürgermeister. Dann hängen Girlanden über den Gassen, es riecht nach gegrillten Sardinen, und in der Kathedrale heiraten bei den Casamentos de Santo António gleich mehrere Paare auf einmal, denn Antonius gilt als Heiratsvermittler. Folge jetzt den Straßenbahnschienen ein kurzes Stück bergauf und halte dich dann links Richtung Rua de São Mamede. Dort wartet ein Theater, das fast zweitausend Jahre alt ist.