Santa Cruz do Castelo: Das Dorf in der Burg

Why is it significant?

Nur ein paar Schritte vom Touristenstrom entfernt wird es plötzlich still. Vor dir liegt ein kleiner Platz mit einer schlichten weißen Kirche, Blumentöpfe stehen auf den Fensterbänken, eine Katze schläft auf einer Stufe, und aus einem offenen Fenster hörst du vielleicht ein Radio.

Key Facts

PlaceSanta Cruz do Castelo: Das Dorf in der Burg
AddressLargo de Santa Cruz do Castelo, 1100-129 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.71370, -9.13220
Part of WalkLissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen
GeneratedGenerated

Open the walk

Nur ein paar Schritte vom Touristenstrom entfernt wird es plötzlich still. Vor dir liegt ein kleiner Platz mit einer schlichten weißen Kirche, Blumentöpfe stehen auf den Fensterbänken, eine Katze schläft auf einer Stufe, und aus einem offenen Fenster hörst du vielleicht ein Radio. Willkommen in Santa Cruz do Castelo, dem Dorf innerhalb der Burg. Abends, wenn die letzten Besucher gegangen sind, hörst du hier nur noch Schritte auf dem Pflaster, Stimmen aus den Küchen und die Glocke der Kirche.

Hier oben wohnen tatsächlich noch Menschen, nicht viele, aber genug für eine eigene kleine Welt mit Nachbarschaftsklatsch und Wäscheleinen. Die Gassen folgen einem Muster, das älter ist als Portugal selbst. Schon lange vor den Römern siedelten Menschen auf diesem Hügel, und gleich hinter den Burgmauern haben Archäologen Reste aus der Eisenzeit freigelegt, dazu Häuser aus maurischer Zeit mit ihren Innenhöfen.

Die Kirche Santa Cruz steht, so will es die Überlieferung, an der Stelle einer früheren Moschee. Nach der Eroberung wurden Moscheen zu Kirchen gemacht, und die muslimischen Einwohner mussten in ein eigenes Viertel unterhalb der Burg ziehen, die Mouraria. Das Erdbeben von 1755 zerstörte auch diese Kirche, und was du heute siehst, ist ein Wiederaufbau aus der Zeit danach, schlicht und ohne Prunk.

Um 1940 kamen dann die Spitzhacken. Zu den großen Jubiläumsfeiern der Diktatur sollte die Burg wieder aussehen wie im Mittelalter, und dafür wurden viele Häuser abgerissen, die sich über Jahrhunderte an die Mauern geschmiegt hatten. Ihre Bewohner mussten weichen, damit Besucher freie Sicht auf Zinnen bekamen, die es in dieser Form so nie gegeben hatte. Die Häuser, die hier stehen, sind die, die übrig blieben.

Und doch ist dieses Viertel lebendig geblieben. Wenn im Juni die Volksfeste beginnen, wird auch hier oben gegrillt, getanzt und bis spät in die Nacht gesungen, und dann gehört die Burg wieder den Nachbarn. Jetzt geht es bergab, und zwar ordentlich: Verlass das Burgviertel nach Osten und steig über Treppen und steile Gassen gut vierhundert Meter hinunter, bis zur Kirche Santo Estêvão auf ihrem eigenen kleinen Hügel.

Nearby stories