Chafariz d'El-Rei: Der Brunnen des Königs
Why is it significant?
An der lauten Straße am Fuß der Alfama siehst du eine lange, verwitterte Mauer mit einer Reihe von Wasserrohren und einer steinernen Balustrade obendrauf. Die meisten Autos rauschen vorbei, ohne den Brunnen eines Blickes zu würdigen.
Key Facts
| Place | Chafariz d'El-Rei: Der Brunnen des Königs |
|---|---|
| Address | Rua Cais de Santarém, 1100 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.70970, -9.12950 |
| Part of Walk | Lissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen |
| Generated | Generated |
An der lauten Straße am Fuß der Alfama siehst du eine lange, verwitterte Mauer mit einer Reihe von Wasserrohren und einer steinernen Balustrade obendrauf. Die meisten Autos rauschen vorbei, ohne den Brunnen eines Blickes zu würdigen. Dabei war das hier einmal einer der lebendigsten Orte der ganzen Stadt.
Der Chafariz d'El-Rei, der Brunnen des Königs, gehört zu den ältesten Brunnen Lissabons. Schon im Mittelalter floss hier das Wasser der Quellen, die aus dem Hügel der Alfama kommen. Der Name des Viertels selbst stammt übrigens vermutlich aus dem Arabischen, von al-hamma, was so viel wie Quellen oder Bäder bedeutet. Wer kein eigenes Wasser hatte, und das waren fast alle, kam mit Krug und Eimer hierher. Oder er bezahlte die Aguadeiros, die Wasserträger, die das Wasser in Fässern die steilen Gassen hinaufschleppten und von Tür zu Tür verkauften, ein Beruf, den es in Lissabon noch bis ins 19. Jahrhundert hinein gab.
Wie das aussah, zeigt ein Gemälde aus dem späten 16. Jahrhundert, gemalt vermutlich von einem flämischen Künstler. Auf ihm wimmelt der Platz von Menschen: Wasserträger, Fischverkäuferinnen, Seeleute, Tänzer... und auffällig viele von ihnen sind Afrikaner. Mittendrin reitet sogar ein schwarzer Mann auf einem Pferd, mit dem Kreuz eines Ritterordens auf dem Mantel.
Dieses Bild erzählt eine Wahrheit, die lange verdrängt wurde. Im Lissabon des 16. Jahrhunderts lebten Tausende Afrikaner, die meisten als Versklavte, die als Wasserträger, Lastenträger oder Wäscherinnen arbeiteten. Manche Historiker schätzen, dass zeitweise etwa jeder zehnte Einwohner der Stadt afrikanischer Herkunft war. Überliefert ist auch, dass am Brunnen geregelt wurde, welche Gruppe an welchem Rohr Wasser holen durfte... die Rangordnung einer ganzen Gesellschaft, gegossen in Wasserstrahlen.
Wenn du also das nächste Mal an einem alten Brunnen in Lissabon stehst, denk an die Stimmen, die hier einst durcheinandergingen, auf Portugiesisch und in vielen Sprachen Westafrikas. Jetzt geht es bergauf. Steig hinauf in die Rua de São João da Praça und folge ihr nach Westen, bis du hinter der Kathedrale herauskommst.