Santo Estêvão und Beco do Carneiro: Die engste Gasse der Alfama
Why is it significant?
Vor dir steht die Kirche Santo Estêvão auf ihrem kleinen Felsplateau, mit einer Terrasse, von der du über die Dächer direkt aufs Wasser siehst. Und ganz in der Nähe öffnet sich ein Spalt zwischen den Häusern, so schmal, dass du zweimal hinschauen musst, ob das wirklich ein Weg ist.
Key Facts
| Place | Santo Estêvão und Beco do Carneiro: Die engste Gasse der Alfama |
|---|---|
| Address | Largo de Santo Estêvão, 1100 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.71210, -9.12790 |
| Part of Walk | Lissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen |
| Generated | Generated |
Vor dir steht die Kirche Santo Estêvão auf ihrem kleinen Felsplateau, mit einer Terrasse, von der du über die Dächer direkt aufs Wasser siehst. Und ganz in der Nähe öffnet sich ein Spalt zwischen den Häusern, so schmal, dass du zweimal hinschauen musst, ob das wirklich ein Weg ist. Das ist der Beco do Carneiro, die Gasse des Widders.
Geh ein paar Schritte hinein. Die Hauswände rücken so nah zusammen, dass du mit ausgestreckten Armen fast beide Seiten zugleich berührst, und oben, unter den Dächern, können sich die Nachbarn angeblich von Fenster zu Fenster die Hand geben oder einen Topf Reis hinüberreichen. Hier gibt es keine Autos, keine Mopeds, nur Stufen, Wäsche und das Echo deiner eigenen Schritte.
Warum ist die Alfama so ein Labyrinth? Weil ihre Gassen der Logik des Mittelalters folgen, zum Teil sogar der maurischen Stadt, und nicht der eines Stadtplaners. Und weil dieses Viertel 1755 nicht vollständig zusammenbrach. Die Häuser stehen hier auf festem Fels, und während das Beben die Unterstadt am Fluss verwüstete, die danach schnurgerade wieder aufgebaut wurde, blieb in der Alfama das alte Durcheinander erhalten. Beschädigt ja, ausradiert nein.
Die Kirche selbst ist viel älter als ihr barockes Kleid. Schon im Mittelalter stand hier ein Gotteshaus für den heiligen Stephanus, den ersten Märtyrer, und über die Jahrhunderte wurde es immer wieder umgebaut. In diesen Gassen wohnten Fischer, Hafenarbeiter und Wäscherinnen, Leute, die vom Fluss lebten und wenig besaßen. Die Alfama war lange ein armes Viertel, und gerade deshalb ist sie geblieben, wie sie ist: Für teure Neubauten fehlte schlicht das Geld.
Heute hat sich das geändert. Viele Wohnungen sind zu Ferienapartments geworden, und alteingesessene Bewohner klagen, dass ihnen das Viertel unter den Füßen weggekauft wird. Achte beim Weitergehen darauf, wo noch Blumen am Fenster stehen und Namen an der Klingel... das sind die, die geblieben sind. Steig jetzt hinunter und folge der Rua de São Miguel nach Westen bis zum gleichnamigen kleinen Platz.