Estação de Santa Apolónia: Abschied der Auswanderer

Why is it significant?

Vor dir liegt eine lange, helle Bahnhofsfassade, und dahinter enden die Gleise einfach am Fluss. Taxis warten, Reisende mit Rollkoffern eilen hinein, und nicht weit entfernt legen die Kreuzfahrtschiffe an. Ein ganz normaler Bahnhof, könnte man meinen.

Key Facts

PlaceEstação de Santa Apolónia: Abschied der Auswanderer
AddressAvenida Infante Dom Henrique, 1100 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.71410, -9.12290
Part of WalkLissabons Alfama und das Castelo de São Jorge: Kreuzfahrer, Fado und verborgene Gassen
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Vor dir liegt eine lange, helle Bahnhofsfassade, und dahinter enden die Gleise einfach am Fluss. Taxis warten, Reisende mit Rollkoffern eilen hinein, und nicht weit entfernt legen die Kreuzfahrtschiffe an. Ein ganz normaler Bahnhof, könnte man meinen. Aber kaum ein Ort in Lissabon hat so viele Abschiede gesehen.

Santa Apolónia ist der älteste Bahnhof der Stadt. Schon 1856 fuhr von diesem Ufer der erste Zug Portugals los, nach Carregado, gut dreißig Kilometer den Tejo hinauf. Das Bahnhofsgebäude, das du siehst, wurde 1865 eröffnet. Später rollten von hier die internationalen Züge ab, über Spanien bis nach Paris, und mit ihnen öffnete sich für viele Portugiesen ein Weg hinaus aus einem armen, abgeschotteten Land.

In den 1960er Jahren wurde dieser Weg für viele zur Flucht. Unter der Diktatur Salazars herrschten Armut auf dem Land, Zensur und ein Kolonialkrieg, der junge Männer für Jahre nach Afrika schickte. Weit über eine Million Menschen verließen Portugal in jenen Jahren, die meisten nach Frankreich, viele ohne Papiere, zu Fuß über die Pyrenäen. Andere gingen ganz legal... nach Deutschland.

Am 17. März 1964 schlossen die Bundesrepublik und Portugal ein Anwerbeabkommen. Und schon im September desselben Jahres wurde ein Portugiese berühmt: Armando Rodrigues de Sá, ein Zimmermann aus einem kleinen Dorf, kam am 10. September 1964 am Bahnhof Köln-Deutz an und wurde als millionster Gastarbeiter der Bundesrepublik begrüßt, mit Blasmusik, Blumen und einem Moped als Geschenk. Dieses Moped steht heute im Haus der Geschichte in Bonn.

Denk an den Anfang dieser Wanderung zurück: 1147 kamen Männer aus Köln und Bonn nach Lissabon und halfen, die Burg zu erobern. Gut achthundert Jahre später fuhren Portugiesen nach Köln, um dort zu arbeiten, zu bauen und neu anzufangen. Geschichte ist manchmal ein Zug, der in beide Richtungen fährt. Hier, am Ende der Gleise, endet auch unsere Wanderung durch die Alfama... und wenn du noch einen Moment hast, dreh dich um und schau hinauf zur Burg, wo alles begann.

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