Dajwór-Straße und das historische städtische Gaswerk
Why is it significant?
Bleibe stehen am Kopfsteinpflaster der Dajwór-Straße, wo historische Backsteinmauern und alte Werkstatttore die östliche Stadtgrenze von Kazimierz markieren.
Key Facts
| Place | Dajwór-Straße und das historische städtische Gaswerk |
|---|---|
| Address | ul. Dajwór 18, 31-052 Kraków, Poland |
| Geo Coordinates | 50.05200, 19.95150 |
| Part of Walk | Kazimierz: Die jüdische Stadt von Krakau und ihre Synagogen |
| Generated | Generated |
Bleibe stehen am Kopfsteinpflaster der Dajwór-Straße, wo historische Backsteinmauern und alte Werkstatttore die östliche Stadtgrenze von Kazimierz markieren. Der sonderbare Name der Straße geht auf eine mundartliche Verballhornung des deutschen Wortes die Antwort oder den Ruf da vor der Zöllner an den alten Schlagbäumen zurück. Bei Hausnummer 18 erstreckt sich das weitläufige Industriedenkmal des Alten Gaswerks, das 1856 durch den Krakauer Magistrat gegründet wurde. Mit seinen runden Gasometern, neogotischen Blendbögen und Schornsteinen ist es ein herausragendes Denkmal der mitteleuropäischen Industriearchäologie, das den Übergang der Stadt in das Industriezeitalter dokumentiert.
Im Jahr 1857 entzündeten sich dank des hier aus Steinkohle gewonnenen Stadtgases die ersten Gaslaternen in den Straßen Krakaus. Das Gaslicht veränderte das Nachtleben von Kazimierz von Grund auf: Straßen wurden sicher, Theateraufführungen und Nachtcafés erblühten und die Kriminalität ging spürbar zurück. Das Gaswerk versorgte die gesamte Metropole bis in die 1960er Jahre zuverlässig mit Energie, ehe moderne Erdgasfernleitungen seinen Betrieb überflüssig machten. Heute dienen die behutsam sanierten Werkhallen als Innovationszentren, Designwerkstätten, Bildungsräume und alternative Ausstellungsflächen für zeitgenössische Künstler.
Gegenüber dem Gaswerksgelände lädt das Galicja Jewish Museum zu einem Besuch ein, 2004 vom britischen Fotografen Chris Schwarz und Professor Jonathan Webber begründet. Seine berühmte Fotoausstellung Spuren der Erinnerung dokumentiert eindringlich das einstige blühende Leben, die Verwüstungen der Schoah und das zaghafte Wiedererwachen jüdischer Kultur in Galizien. Die großformatigen Fotografien meiden Klischees und zeigen verfallene Synagogen, überwucherte Friedhöfe, aber auch engagierte Bürger, die das Erbe vor dem Vergessen bewahren. Es ist ein offener Ort der Begegnung und des Dialogs für zehntausende Schüler und Reisende aus aller Welt.
Die Dajwór-Straße verlief einst parallel zu den Erdaufschüttungen der Festungswerke von Kazimierz. Hier begegnen sich das Gedenken an das jüdische Schicksal und der Stolz auf die Errungenschaften der industriellen Moderne. Das Spiel von rotem Ziegel und wildem Wein verleiht der Straße eine ganz eigene poetische Melancholie.
Gehe nun westwärts in die malerische Józefa-Straße hinein. Vor dir entfaltet sich die stimmungsvollste Gasse von Kazimierz, reich an Kunsthandwerk und Schauplatz großer Kinofilme.