Hagia Irene: Die Kirche, die nie Moschee wurde
Why is it significant?
Vor dir steht ein massiger Bau aus rotem Ziegel und grauem Stein, mit einer flachen Kuppel und Mauern, die tiefer liegen als der Hof um sie herum. Kein Minarett, keine Kalligrafie über dem Eingang.
Key Facts
| Place | Hagia Irene: Die Kirche, die nie Moschee wurde |
|---|---|
| Address | Cankurtaran Mahallesi, Topkapı Sarayı Birinci Avlu, 34122 Fatih/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.00970, 28.98110 |
| Part of Walk | Istanbul der Sultane: Topkapı, Gülhane und die Hohe Pforte |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein massiger Bau aus rotem Ziegel und grauem Stein, mit einer flachen Kuppel und Mauern, die tiefer liegen als der Hof um sie herum. Kein Minarett, keine Kalligrafie über dem Eingang. Die Hagia Irene sieht noch fast so aus, wie die Byzantiner sie verlassen haben... und das ist in dieser Stadt eine kleine Sensation.
Hagia Irene bedeutet Heiliger Frieden. An dieser Stelle stand schon eine der ersten Kirchen Konstantinopels, und im Jahr 381 tagte hier, so die Überlieferung, das Zweite Ökumenische Konzil. Es erweiterte jenes Glaubensbekenntnis, das Christen bis heute in ihren Gottesdiensten sprechen. Der Bau, den du siehst, geht auf Kaiser Justinian zurück, der ihn nach dem verheerenden Nika-Aufstand von 532 neu errichten ließ. Nach einem Erdbeben im 8. Jahrhundert wurde er noch einmal erneuert.
Im Inneren, in der Apsis, hat sich etwas sehr Seltenes erhalten: ein großes, schlichtes Kreuz aus der Zeit des Bilderstreits, als Darstellungen von Heiligen verboten waren und nur das Kreuz als Schmuck erlaubt war. Kaum irgendwo sonst sieht man diese Epoche so deutlich. Und die Akustik unter der Kuppel ist so gut, dass hier heute Konzerte stattfinden, unter anderem während des Istanbuler Musikfestivals.
Warum wurde sie nie zur Moschee? Weil sie innerhalb der Palastmauern lag und die Osmanen sie für etwas ganz anderes brauchten: als Arsenal, als Waffenkammer. Hier lagerten Waffen und Beutestücke. Im 19. Jahrhundert begann man, alte Waffen und schließlich auch Antiken hier geordnet auszustellen, und aus dieser Sammlung ging das Museum hervor, das du gerade gesehen hast. Die Kirche des Friedens als Waffenlager und Wiege eines Museums... Istanbul liebt solche Widersprüche.
Schau dich im Hof nach den mächtigen alten Platanen um. Unter einer von ihnen, so erzählt man, versammelten sich die Janitscharen, wenn sie gegen den Sultan rebellierten. Ob es genau dieser Baum war, weiß niemand; alt genug, um es zu behaupten, sind sie allemal. Geh jetzt durch den Hof nach Westen auf das große Tor zu, durch das du den Palastbezirk verlässt. Draußen wartet ein Brunnen, so verspielt wie ein Schmuckkästchen.