Kirche St. Antonius von Padua
Why is it significant?
Geh durch den Torbogen zwischen den beiden Wohnhäusern und bleib im Hof stehen: Vor dir erhebt sich eine Fassade aus rotem Backstein, mit spitzen Bögen, einer Rosette und schlanken Türmchen, als hätte jemand ein Stück Venedig in die İstiklal geschoben.
Key Facts
| Place | Kirche St. Antonius von Padua |
|---|---|
| Address | İstiklal Cd. No:171, 34433 Beyoğlu/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.03230, 28.97720 |
| Part of Walk | Galata und Pera: Verborgene Treppen, Derwische und deutsche Exilanten in Istanbul |
| Generated | Generated |
Geh durch den Torbogen zwischen den beiden Wohnhäusern und bleib im Hof stehen: Vor dir erhebt sich eine Fassade aus rotem Backstein, mit spitzen Bögen, einer Rosette und schlanken Türmchen, als hätte jemand ein Stück Venedig in die İstiklal geschoben. Draußen schiebt sich die Menge vorbei, hier drinnen gibt es Kerzenlicht und Stille.
Die Kirche St. Antonius von Padua ist die größte katholische Kirche Istanbuls. Gebaut wurde sie zwischen 1906 und 1912 nach Plänen des Architekten Giulio Mongeri, im neogotischen Stil, für die Franziskaner, die schon im 18. Jahrhundert eine Antoniuskirche in Pera hatten. Die beiden Wohnhäuser zur Straße hin entstanden gleichzeitig, und ihre Mieten sollten die Kirche mittragen. Fromm und geschäftstüchtig, ganz im Geist von Pera. Mongeri selbst war in Istanbul geboren, Sohn einer italienischen Familie, und baute später auch in Ankara für die junge Republik.
Von 1935 bis 1944 predigte hier regelmäßig ein italienischer Erzbischof, der als Apostolischer Delegat in Istanbul lebte: Angelo Giuseppe Roncalli. Er lernte Türkisch, ließ Gebete und Lesungen auch auf Türkisch sprechen und wurde 1958 Papst Johannes XXIII. Im Hof steht seine Statue, und viele Istanbuler erinnern sich an ihn bis heute als den Papst, der ihre Sprache sprach.
In den Kriegsjahren wurde Istanbul zur Drehscheibe für Flüchtlinge, und Roncalli half, wo er konnte, auch jüdischen Verfolgten aus Mitteleuropa, mit Papieren, Kontakten und Fürsprache. Wie vielen Menschen er damit half, ist umstritten, und man sollte die Zahl nicht übertreiben. Aber zwischen Diplomaten, Spionen und Bittstellern wurde in diesen Mauern gearbeitet, während in Europa die Welt brannte.
Achte auf die Kerzen: Dienstags kommen besonders viele Menschen, um den heiligen Antonius um Hilfe zu bitten, und darunter sind nicht nur Katholiken, sondern auch orthodoxe Christen und Muslime. Der Heilige der verlorenen Dinge kennt eben keine Konfessionen. Geh jetzt zurück auf die İstiklal und folge ihr ein kurzes Stück nach Norden, bis zu einem großen Schultor am Galatasaray-Platz.